{"id":642,"date":"2020-12-07T16:00:47","date_gmt":"2020-12-07T16:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/r-isfort.de\/?page_id=642"},"modified":"2021-02-01T16:25:49","modified_gmt":"2021-02-01T16:25:49","slug":"aus-den-tiefen-der-hoelle-oder-der-bottroper-rathaussturm-1919","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/r-isfort.de\/?page_id=642","title":{"rendered":"Aus den Tiefen der H\u00f6lle &#8211; oder der Bottroper Rathaussturm 1919"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Rudolf Isfort (4.2020)<\/td><td><\/td><td>PDF-<a href=\"http:\/\/r-isfort.de\/?attachment_id=699\">Download<\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><em>Aus den Tiefen der H\u00f6lle \u2026<\/em> oder Der Bottroper Rathaussturm<\/p>\n\n\n\n<p>1. Bottrop 1918\/19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container\">\n<p><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Um 1850 hatte Bottrop 3.200, 1919 72.790 Einwohner. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Tab_1.jpg\" alt=\"\" width=\"389\" height=\"118\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Verhei\u00dfung auf Arbeit hatte <em>zahlloses Volk \u2026 besonders aus dem Osten<\/em> angelockt und aus der <em>kleinen l\u00e4ndlichen Gemeinde in unglaublich kurzer Zeit \u2026 eine industrielle Gro\u00dfstadt <\/em>gemacht.<a href=\"#_edn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Die Stadt war 1919 Standort f\u00fcr sieben Zechen, von denen eine, die <em>fiskalische Zeche Rheinbaben<\/em>,<a href=\"#_edn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> dem preu\u00dfischen Staat geh\u00f6rte. Die Zechen gaben etwa 18.000 M\u00e4nnern Arbeit; zusammen mit ihren Angeh\u00f6rigen waren um die 57.000 Bottroper (78%) direkt vom Bergbau abh\u00e4ngig. In  der Stadt lebten etwa 56.000 <em>Katholiken<\/em> (77%) neben 16.000 <em>Protestanten<\/em> (22%).<a href=\"#_edn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a>&nbsp; In Bottrop regierte die Partei des politischen Katholizismus, das Zentrum (Wahlkreis Borken-Recklinghausen). Die dramatischen Ver\u00e4nderungen der Zustimmung f\u00fcr (M)SPD und USPD vom 19.1.1919 (Nationalversammlung) zum 6.6.1920 (Reichstagswahl) sind (u. a.) die Antwort der W\u00e4hler auf das Verhalten der (M)SPD w\u00e4hrend der Revolution 1918\/19, von der die hier berichteten Ereignisse ein kleiner Ausschnitt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Der Bottroper Rathaussturm<\/p>\n\n\n\n<p>Am 26.2.1919 wurden <em>dreizehn heldenhafte Verteidiger<\/em> des Rathauses zu Grabe getragen. Bottrop hatte, wie die Bottroper Volkszeitung (BVZ) hervorhob, noch nie ein Begr\u00e4bnis von <em>gleichem Umfange, &#8230; gleicher Feierlichkeit \u2026 (und) gleichen traurigen Umst\u00e4nden erlebt<\/em>.<a href=\"#_edn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Was war geschehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Am 19.2.1919 wurde das Bottroper Rathaus nach kurzem Kampf <em>zur \u00dcbergabe gezwungen<\/em>: <em>Bewaffnete Massen aus D\u00fcsseldorf, M\u00fclheim-Ruhr, Hamborn, Sterkrade Oberhausen und Duisburg<\/em> beschossen, da der <em>Bottroper Arbeiter- und Soldatenrat<\/em> deren <em>Ultimatum abgelehnt<\/em> hatte, das Rathaus zwei Stunden lang, ehe dessen Verteidiger kurz nach <em>17 Uhr<\/em> aufgaben.<a href=\"#_edn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bottroper Volkszeitung, Redaktion und Verlag kaum mehr als ein Steinwurf weit vom Tatort entfernt, berichtete am 22.2. ( Doppelnummer (42\/43), mit dem 19.2. datiert), ausdr\u00fccklich auf die Vorzensur des neugebildeten A&amp;S-Rates hinweisend, dass am 20.\/21. <em>kaum ein Schuss<\/em> fiel, dass am 19. im Rathaus aber <em>Schr\u00e4nke und sonstige Beh\u00e4ltnisse<\/em> durch <em>Untaten eines lichtscheuen Gesindels<\/em> erbrochen worden waren, was die <em>F\u00fchrer der Spartakisten<\/em> \u2026 <em>&nbsp;auf das Sch\u00e4rfste verurteilten<\/em> (21.2.19). Zu den K\u00e4mpfen und den Opfern nur der Hinweis: <em>Ein Teil der Gefallenen ist, wie wohl einwandfrei feststeht, nach dem Hissen der wei\u00dfen Fahne das Opfer eines Missverst\u00e4ndnisses geworden<\/em><a href=\"#_edn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> &#8211; es begannen die Entstellungen und Verf\u00e4lschungen der Ereignisse.<\/p>\n\n\n\n<p>2.1 Die Vorgeschichte<\/p>\n\n\n\n<p>Im Ersten Weltkrieg, den das Deutsche Reich, interessiert, mutwillig zugelassen hatte, stand Deutschland und seinen Verb\u00fcndeten von Anfang <em>die ungeheure \u00dcbermacht der Feinde<\/em> gegen\u00fcber.<a href=\"#_edn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> &nbsp;Die wurde durch die <em>unbegreifliche Politik im Laufe des Krieges immer noch vermehrt<\/em>.<a href=\"#_edn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Trotzdem meinten Oberste Heeresleitung (OHL) und Reichsregierung, einen Annexionskrieg f\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_2.jpg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"112\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><a href=\"#_edn9\">[9]<\/a> In diesem Falle, so Philipp Scheidemann, SPD, im Reichstag(16.7.17),<a href=\"#_edn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> <em>haben wir die Revolution im Lande<\/em>. Schon am 19.12.1915 hatte er gewarnt: Die Regierung werde wegen der <em>Volksern\u00e4hrung \u2026 dem Zorn des Volkes nicht standhalten <\/em>k\u00f6nnen. Dennoch waren alle Eliten, so unsere Historiker, v\u00f6llig \u00fcberrascht, als der Krieg verloren ging und die Revolution kam.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Krieg hatte die Bergarbeiter und ihre Familien verarmt: Bereits Ende 1915 hatte sich ihr auch Anfang 1914 nicht \u00fcppiger Lebensstandard um 30% gemindert. Sie wollten eine schnelle Verbesserung ihrer Lage; Deutschland stand vor einer Hungersnot (25.11.18). Das B\u00fcrgertum aber diagnostizierte<em> den in weiten Kreisen mangelnden Willen zu intensiver Arbeit<\/em> und fand, <em>dass wir in Deutschland bei verminderter Lebenshaltung mehr arbeiten m\u00fcssen<\/em> (16.1.19). Beides war schon rein physisch nicht ganz leicht bei zugeteilten 300 Gramm Brot je Kopf und Tag, bei M\u00f6hren statt Kartoffeln. Fleisch (selbst vom Pferd) oder Fett standen nur in Mini-Mengen (150 Gramm je Kopf und Woche) und h\u00f6chst selten zum Verkauf (28.11.18). Organisierte Streiks waren faktisch ausgeschlossen, weil die Gewerkschaften kurzfristige Verbesserungen der Lebensbedingungen dem strategischen Ziel opferten, von den Arbeitgebern als Vertreter der Arbeiter anerkannt zu werden. Sie schafften das in <em>Verhandlungen mit dem Zechenverband<\/em> und <em>den vier Bergarbeiterverb\u00e4nden<\/em> (14.11.) und dem Stinnes-Legien-Abkommen vom 15.11.1918. Den Bergarbeitern brachten sie Vereinbarungen<a href=\"#_edn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> \u00fcber den Achtstundentag, \u00dcber-, Neben- und Sonntagsschichten, Mindestlohn \u2013 aber auch dar\u00fcber, dass <em>Eingriffe in die Arbeits- und Betriebsverh\u00e4ltnisse unbedingt zu vermeiden sind<\/em> &#8211; und machten die Gewerkschaften zu den entschiedensten Gegnern der unzufriedenen, streikbereiten Arbeiter (18.11.18).<\/p>\n\n\n\n<p><em>2.1.1 Die Arbeitsangelegenheiten sind in die H\u00e4nde des Arbeiter- und Soldatenrates niedergelegt<\/em> (Flugblatt\/Aufruf! (10.11.18)).<\/p>\n\n\n\n<p>MSPD und USPD hatten in ihrem Regierungsvertrag vereinbart, <em>die politische Gewalt liegt in den H\u00e4nden der Arbeiter\u2013 und Soldatenr\u00e4te<\/em>, um so die<em> revolution\u00e4ren sozialistischen Errungenschaften zu befestigen<\/em> (12.11.18) &#8211; in seinem <em>R\u00fcckblick auf die Revolution<\/em> erw\u00e4hnte Ebert die A&amp;S-R\u00e4te schon nicht mehr (3.12.18).<a href=\"#_edn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bottrops A&amp;S-Rat hatte zu keiner Zeit die Absicht, <em>die revolution\u00e4ren Errungenschaften zu sichern und auszubauen<\/em> (27.11.18). Als am 9.11.1918 <em>bewaffnete Matrosen und Soldaten<\/em> aus <em>Essen<\/em> in Bottrop einen Soldatenrat bildeten,<a href=\"#_edn13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> sammelten sich am Nachmittag die <em>F\u00fchrer der freien Gewerkschaften,<\/em> solidarisierten sich mit den Soldaten und w\u00e4hlten einen Arbeiterrat, um <em>Ruhe zu schaffen<\/em> vor einem <em>Revolutionsstrom<\/em>, der sich auf dem <em>Rathaus einschleichen<\/em> wollte (Wingold in der BVZ vom 18.11.1918). Arbeiter- und Soldatenrat <em>verschmolzen<\/em> zum A&amp;S-Rat. Georg Wingold wurde der erste, Sergeant August Morie der zweite Vorsitzende. Der A&amp;S-Rat <em>\u00fcbernimmt die Exekutive<\/em> (11.11.18).<a href=\"#_edn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Am 11.11. wurde die Bev\u00f6lkerung in einem Aufruf in der Bottroper Volkszeitung dar\u00fcber&nbsp; informiert, dass <em>der Arbeiter- und Soldatenrat<\/em>, die<em> organisierte Arbeiterschaft, die Amtsverwaltung und die Gemeindevertretung<\/em> einen <em>Vertrauensausschuss<\/em> gebildet haben, der <em>alle kommenden Schwierigkeiten der n\u00e4chsten Zeit l\u00f6sen<\/em> sollte. H\u00f6rte sich das noch nach einer neuen, revolution\u00e4ren Gemeindeleitung an, zeigte die Gemeinderatssitzung vom 10.11., dass der Vertrauensausschuss, parit\u00e4tisch <em>aus Vertretern der beiden Gewerkschaftsrichtungen gebildet<\/em> (10 Alter Verband, 5 christliche und 5 polnische Gewerkschafter), eng mit dem Gemeinderat zusammenarbeiten, also das politische Gewicht des A&amp;S-Rates begrenzen sollte.<em> Alle Ressorts \u2026 der Gemeinde (Polizei, Lebensmittelverteilung usw.) bleiben auch weiter unter ihrer Verwaltung <\/em>(11.11.18). Kurz darauf war der neue B\u00fcrgerausschuss, Vorsitzender Redakteur Haugg, durch drei Vertreter im A&amp;S-Rat <em>beratend<\/em> (18.11.18) und durch sechs im <em>Vertrauensausschuss<\/em> mit <em>Sitz und Stimme<\/em> vertreten (25.11.18). Am 30.11. vereinbarten A&amp;S-Rat und Gemeinderat, dass sich Gemeinderat und Vertrauensausschuss in allen wichtigen Fragen <em>vorberaten<\/em>, der A&amp;S-Rat sich mit zwei stimmlosen Vertretern an Gemeinderatssitzungen beteiligen sollten (30.11.18). Ganz unspektakul\u00e4r hatte sich das B\u00fcrgertum die politische Mehrheit in Bottrops F\u00fchrungsstruktur zur\u00fcckgeholt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bottroper A&amp;S-Rat machte sich die<em> Aufrechterhaltung der Ordnung auf den Zechen<\/em> zur zentralen Aufgabe. <em>Arbeiterrat Weber<\/em> verdeutlichte: Die <em>Zechenverwaltungen <\/em>werdendie<em> berechtigten Forderungen<\/em> der Arbeiter erf\u00fcllen; im Gegenzug wollte der A&amp;S-Rat daf\u00fcr sorgen, dass <em>auf den Zechen \u2026 gearbeitet werde <\/em>(11.11.18). Auch die unorganisierten Kumpel gaben sich damit zufrieden, die Bottroper<em> Arbeiter<\/em> <em>fuhren \u00fcberall ein<\/em> (13.11.18).<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Akzeptanz der Bergarbeiterverb\u00e4nde als Vertragspartner durch die Arbeitgeber \u00e4nderte sich die Mittlerrolle des A&amp;S-Rates grunds\u00e4tzlich \u2013 es waren nicht mehr die <em>berechtigten Forderungen<\/em> der Belegschaften, sondern die von den Bergarbeiterverb\u00e4nden ausgehandelten Arbeitsbedingungen, die er garantierte; die Erwartung, nicht zu streiken, blieb. Das merkten die Bergleute der Prosper-Zechen, als auf der Belegschaftsversammlung am 24.11. Generaldirektor Brenner die Forderungen der Belegschaft ablehnte und &nbsp;Arbeiterausschuss<a href=\"#_edn15\">[15]<\/a>-Mitglied <em>Clever,<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_3.jpg\" alt=\"\" width=\"395\" height=\"95\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p> unterst\u00fctzt von <em>Kamerad Veelken<\/em> (christlicher Verband Bottrop), die Versammlung davon \u00fcberzeugten, <em>die Arbeit nicht niederzulegen &#8211; in Anbetracht des Ernstes der gegenw\u00e4rtigen Lage<\/em> (26.11.18). Auf der Belegschaftsversammlung der <em>Vereinigte Welheim<\/em> schaffte das <em>Bezirksleiter Bitter<\/em>, christliche Gewerkschaften und Zentrumsparteisekret\u00e4r Recklinghausen (27.11.18).<\/p>\n\n\n\n<p>Tags darauf lasen nicht nur die Unorganisierten in der Zeitung, der Vollzugsrat<a href=\"#_edn16\">[16]<\/a> in Berlin stellte fest, das Unternehmertum gehe zu <em>passiver Resistenz<\/em> \u00fcber (27.11.18).<\/p>\n\n\n\n<p><br><em>Seit Freitag [13.12.] stehen die Belegschaften s\u00e4mtlicher Prospersch\u00e4chte im Ausstand<\/em> (16.12.18); Rheinbaben schloss sich an. Von Samstag bis Dienstag versuchten t\u00e4gliche <em>Massenversammlung von Bergleuten <\/em>auf dem Neumarkt die erweiterte Forderungsliste durchzusetzen, eigens herbeigeholte Gewerkschaftsfunktion\u00e4re (17.12.18) die Arbeiter von ihren Forderungen abzubringen und sich mit den Verhandlungsergebnissen der Verb\u00e4nde zu begn\u00fcgen. Als dann die Zechenleitung nahezu alle Forderungen der Belegschaft abgelehnt hatte, die Kommissionsmitglieder sich auf die Seite der Arbeitgeber stellten und <em>selbst jeden Weg ablehnten, den die Spartakusleute beschreiten<\/em> wollten, versuchten Arbeiter <em>ohne Gewalt<\/em> die arbeitswilligen <em>Kameraden abzuholen und in Ruhe zum Weiterstreiken zu bewegen<\/em>. Die Versammlung <em>gab der Erwartung Ausdruck, dass die sozialdemokratische Regierung den Streikenden kein Milit\u00e4r auf den Hals schicken werde <\/em>(17.12.18).<\/p>\n\n\n\n<p>Am Dienstag (17.12.) kamen erneut <em>Tausende von Bergleuten<\/em> zum Neumarkt (heute Altmarkt\/Berliner Platz), \u00f6ffentlich eingeladen von der Streikkommission f\u00fcr 10:00 Uhr. Mit dem A&amp;S-Rat hatte die aber eine Wahl \u00fcber den Streik f\u00fcr 11:00 Uhr auf den Zechen vereinbart. Auf den Zechne waren um 11:00 Uhr (fast) nur Arbeitswillige, entsprechend fiel die Wahl aus. F\u00fcr die Termin\u00fcberschneidung machte die BVZ <em>Missbrauch<\/em> durch eine <em>unberufene Seite<\/em> verantwortlich und f\u00fchrte auf ein <em>falsches Ger\u00fccht<\/em> die Forderung <em>einer gro\u00dfen Menschenmenge<\/em> zur\u00fcck, die zum Rathaus gezogen war, <em>um dort die Herausgabe von mehreren Streikf\u00fchrern zu fordern. Die Betreffenden waren am fr\u00fchen Morgen auf die Wache geholt worden, weil der Arbeiter- und Soldatenrat mit ihnen die Lage besprechen wollte<\/em>. Und <em>obwohl die Streikf\u00fchrer inzwischen entlassen<\/em> worden waren, <em>schleppten<\/em> <em>einige besonders aufgeregte Leute Herrn Wingold auf den Neumarkt<\/em>, wo er dann sprechen und <em>zur Vernunft mahnen<\/em> durfte (18.12.18). Der Essener A&amp;S-Rat vermittelte beim Bottroper A&amp;S-Rat und auf dem Neumarkt (19.12.18). Wie schon an den Vortagen war <em>auf den Stra\u00dfen ein \u00fcberaus lebhafter Verkehr<\/em>. (18.12.18).<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Berlin kamen im Dezember beunruhigende Nachrichten:<a href=\"#_edn17\"><sup>[17]<\/sup><\/a> Auf dem Reichsr\u00e4tekongress, 16. &#8211; 20.12.1918, warnte der Delegierte <em>Basch<\/em> (= Otto Bra\u00df) vor der Gegenrevolution (18.12.18).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kampf um den Bottroper A&amp;S-Rat spitzte sich zu, als am Freitag (10.1.) eine Abordnung der Unabh\u00e4ngigen und des Spartakusbundes<a> a<\/a><em>uf dem hiesigen Rathaus<\/em> verlangte, den A&amp;S-Rat aus den drei sozialistischen Parteien parit\u00e4tisch zu besetzen, christliche und polnische Gewerkschafter und B\u00fcrgervertreter aber auszuschlie\u00dfen (12.1.19). Dabei kam es, wie die BVZ am 25.1. meldete, zu \u00dcbergriffen durch die Gruppe Korbel.<a href=\"#_edn18\">[18]<\/a> &nbsp;Am n\u00e4chsten Tag forderte eine <em>gro\u00dfe Menge<\/em> auf dem Neumarkt (heute Altmarkt\/Berliner Platz) den neuen A&amp;S-Rat, erkl\u00e4rten die Vertreter der Unabh\u00e4ngigen und der Spartakusgruppe, jeder der arbeiten wolle, k\u00f6nne es auch. Trotzdem waren <em>wieder mehrere Schachtanlagen von kleineren Trupps mit Gewalt stillgelegt<\/em> worden. Am Sonntag (12.1.) demonstrierten die drei sozialistischen Parteien gemeinsam und wiederholten die Forderung nach Neuordnung des A&amp;S-Rates (12.1.19). Auf einer turbulenten Sitzung am 14.1. blieb es dann aber bei der alten Zusammensetzung.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_4.jpg\" alt=\"\" width=\"383\" height=\"110\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p> Allerdings wurde zum <em>Vorsitzenden anstelle des zur\u00fcckgetretenen Wingold der Mehrheitssozialist B\u00fcnte gew\u00e4hlt<\/em>. Es kam zu St\u00f6rungen bei b\u00fcrgerlichen Wahlveranstaltungen. Bottrop war ohne Wasser, weil das M\u00fclheimer Wasserwerk streikte. Es <em>fiel den ganzen Tag \u00fcber aber nicht ein einziger Schuss<\/em> (15.1.19). <em>Schrecksch\u00fcsse in die Luft <\/em>gab dann am 13. Januar <em>eine Kompagnie (Infantrie mit Maschinengewehr-Abteilung<\/em>) Soldaten \u2013 angefordert auf Initiative des Bottroper A&amp;S-Rates<a href=\"#_edn19\">[19]<\/a> &#8211; des Generalkommandos M\u00fcnster (14.1.19) noch am Ankunftstag ab, wegen der <em>bedrohlichen Haltung<\/em> <em>des Publikums<\/em>, w\u00e4hrend <em>Zivilisten in die Menge<\/em> schossen. Dabei wurde die 14j\u00e4hrige Emma Lasar t\u00f6tlich getroffen.<a href=\"#_edn20\">[20]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Kriegerisch waren die Meldungen aus Berlin, wo die Regierung immer ausschlie\u00dflicher auf milit\u00e4rische L\u00f6sungen setzte, dabei den Milit\u00e4rs weitgehend freie Hand lie\u00df: <em>Die Stunde der Abrechnung naht<\/em> (11.1.19).Am 12.1. lasen die Bottroper in ihrer BVZ \u00fcber den <em>Entscheidungskampf bei B\u00fcxenstein<\/em>, Gro\u00dfdruckerei im Zeitungsviertel:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_5.jpg\" alt=\"\" width=\"365\" height=\"113\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p> <em>Ein Teil der Spartakisten warf jetzt die Waffen weg und bat um Gnade, doch verhallten die Rufe in dem unbeschreiblichen Gemisch von Waffenl\u00e4rm ungeh\u00f6rt<\/em>. Die Regierungstruppen erschossen Gefangene standrechtlich zur Abschreckung (12.1.19) und ermordeten Emiss\u00e4re.<a href=\"#_edn21\">[21]<\/a> Nat\u00fcrlich war das nicht wahr, wie Noske<a href=\"#_edn22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> und Oberst Reinhard<a href=\"#_edn23\"><sup>[23]<\/sup><\/a> versicherten (14.1.19).<br>Aber es war nicht nur Berlin, wo Arbeiter gegen Regierungstruppen k\u00e4mpften: Sie bek\u00e4mpften die Gegenrevolution \u2013 wie sie sagten \u2013 auch in M\u00fcnchen, Stuttgart, Hamburg, Dresden, Leipzig, D\u00fcsseldorf, M\u00fclheim, Duisburg, Dortmund, Hagen, Ickern-Castrop, Buer und in Dorsten.<\/p>\n\n\n\n<p>2.1.2 <em>Die Heimat soll auch wirtschaftlich Euer Besitz und Erbe werden<\/em>.<sup> <a href=\"#_edn24\"><sup>[24]<\/sup><\/a><\/sup><br>Der Kampf um den Bottroper A&amp;S-Rat wurde seit Jahresanfang 1919 von der Essener Sozialisierungsbewegung \u00fcberlagert. Sie ging aus vom Essener A&amp;S-Rat, der, aufgeschreckt <em>durch die Streikbewegung im Ruhrkohlenbergbau<\/em> (12.1.19), der Meinung war, dass <em>die Verk\u00fcndigung der Sozialisierung und \u2026 ein R\u00e4tesystem den Massen die Beruhigung bringen w\u00fcrde<\/em>. Am 13.1. tagte darum die <em>Konferenz s\u00e4mtlicher Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te des rheinisch-westf\u00e4lischen Industriebezirks<\/em>, zusammen mit den<em> freien Gewerkschaften <\/em>und den <em>drei sozialistischen Parteigruppen<\/em>; die Regierung hatte Regierungskommissar Hue und Unterstaatssekret\u00e4rs Giesberts geschickt. Die Konferenz w\u00e4hlte die Neunerkommission, eine Kommission aus je drei Vertretern der drei sozialistischen Parteigruppen, die die <em>Sozialisierung des Bergbaus\u2026<\/em> <em>auf der Grundlage einer R\u00e4teorganisation \u2026 in den n\u00e4chsten Tagen <\/em>realisieren sollten. Hue berichtete der Essener Konferenz, dass <em>die Regierung nur durch die Wirren in Berlin an der Ausf\u00fchrung der Sozialisierung verhindert<\/em> werde (18.1.19). Bereits die Ank\u00fcndigung der Sozialisierung lie\u00df den Streik verschwinden (18.1.19).<br>Die MSPD-Regierung erkannte die Neunerkommission nicht an, war gegen jede Sozialisierung, beauftragte aber eine eigene Kommission damit, sie vorzubereiten. Die Regierungskommission k\u00fcndigte am 3.2. ihre Arbeit auf, weil sie <em>Zweifel am Ernst der Sozialisierungsabsichten der Regierung<\/em> hegte.<a href=\"#_edn25\"><sup>[25]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Am 6.2.19 verlangte die Konferenz der A&amp;S-R\u00e4te des Ruhrkohlengebietes die Anerkennung der von ihr gew\u00e4hlten Neunerkommission durch die Regierung bis zum 15. Februar \u2013 andernfalls drohte sie mit dem Generalstreik. <em>Ferner protestierte die Konferenz gegen erneute weitere Zusammenziehung von Milit\u00e4r zum Industriegebiet<\/em> (8.2.19). Als dann von Watter, Befehlshaber des 7. Armeekorps in M\u00fcnster, den Generalsoldatenrat seines Befehlsbereichs am 11.2. gefangen nehmen und aufl\u00f6sen (13.2.19) lie\u00df, stand <em>das Industrierevier vor schweren Konflikten<\/em> (17.2.19). Am 14.2. trafen sich die Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te des Industriereviers in Essen und verlangten mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit ultimativ die Wiedereinsetzung des Generalsoldatenrates, die Bestrafung von Watters und die <em>Zur\u00fcckziehung \u2026 der Regierungstruppen<\/em>. Andernfalls drohten sie mit Generalstreik am 18.2. Sie w\u00e4hlten eine Kommission f\u00fcr die <em>Vorbereitung des Generalstreiks <\/em>und eine zweite <em>zur Vorbereitung der Verteidigung des Industriegebiets<\/em>. Vertreter des Generalstabs M\u00fcnster (<em>Hauptmann Schmidtmann und ein Leutnant<\/em>), die an der Sitzung teilnahmen, wurden <em>als Geiseln festgehalten<\/em>. (17.2.19). Die Antwort v. Watters kam am 15.2.: <em>K\u00e4mpfe zwischen Spartakisten und Regierungstruppen in Hervest-Dorsten<\/em> (17.2.19). <a href=\"#_edn26\">[26]<\/a> Daraufhin riefen in Hamborn, Essen, D\u00fcsseldorf, M\u00fclheim, Oberhausen, Sterkrade u. a. St\u00e4dten Kommunisten und USPD am 17.2. den Generalstreik aus. Revolution\u00e4re Arbeiter sammelten sich in M\u00fclheim und zogen, einige mit schweren Waffen, \u00fcber Sterkrade nach Hervest-Dorsten (18.2.19). Diese Beschleunigung der Entwicklung \u00fcberraschte auch die Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te des Industriereviers und der A&amp;S-Rat Essen wandte sich am 17.2. an die Regierung in Weimar mit der dringenden Aufforderung, einen <em>Regierungsbeauftragten<\/em> mit <em>Vollmachten<\/em> zu <em>Verhandlungen<\/em> in <em>den Industriebezirk<\/em> zu senden \u2013 <em>Truppensendungen sind unter allen Umst\u00e4nden zu vermeiden<\/em>. Luther, Essener Oberb\u00fcrgermeister und sp\u00e4terer Reichskanzler, unterst\u00fctzte den A&amp;S-Rat (18.2.19). Regierung und Generalkommando wollten aber keine Verhandlungsl\u00f6sung: <em>Die Reichsregierung hat alle Zivilbeh\u00f6rden angewiesen, \u2026 bei den zust\u00e4ndigen Garnisonskommandos bzw. Generalkommandos milit\u00e4rische Hilfe anzufordern<\/em> (18.2.19). Und auch die Bergarbeiterverb\u00e4nde forderten die Regierung unverholen zum Milit\u00e4reinsatz auf (19.2.19). Die MSPD-Mitglieder verlie\u00dfen die Neunerkommission.<\/p>\n\n\n\n<p>Die revolution\u00e4ren Arbeiter, nur lose gelenkt durch die <em>Kommissionen f\u00fcr den Generalstreik<\/em> und <em>die Ruhrrevierverteidigung<\/em>, versuchten, den Generalstreik durchzusetzen. Das war in Bottrop angesichts der bewaffneten Zechenwehren und Sicherheitsleute nicht ganz einfach. Die Bottroper Sicherheitswehr hatte zudem den Nachschub der revolution\u00e4ren Arbeiter nach Dorsten unterbunden,<a href=\"#_edn27\">[27]<\/a> war also sowohl f\u00fcr die Streikbewegung als auch f\u00fcr die Ruhrrevierverteidigung ein gro\u00dfes Hindernis. In die Bottroper Polizeiwache drangen daraufhin am 17.2. etwa 12 Mann gegen 2 Uhr ein, wurden aber <em>bald wieder hinausgeworfen<\/em>. Danach kam es zum Kampf, bei dem beide Seiten einen Schwerverletzten, die Angreifer einen Toten zu beklagen hatten; drei von ihnen wurden gefangengenommen (18.2.19).<a href=\"#_edn28\">[28]<\/a> Au\u00dferdem&nbsp; <em>entwaffnete<\/em> <em>die Volkswehr<\/em> am 17.2. 5 Spartakisten auf Prosper 2; in der Nacht vom 18. auf den 19. <em>hob<\/em> sie die <em>Spartakistenwache auf Prosper 1<\/em> aus, nahm 17 Arbeiter gefangen und lie\u00df einen toten und zwei verwundete Arbeiter zur\u00fcck (Kommissar Breuer am 25.2.). Die Gefangenen kamen ins Bottroper Polizeigef\u00e4ngnis.<br>In Bottrop war ein neuer A&amp;S-Rat\/Machtwechsel f\u00e4llig, mussten gefangene Genossen befreit werden.<\/p>\n\n\n\n<p>2.2 Der Sturm auf das Bottroper Rathaus<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Schilderung der Ereignisse vom 19.2. ver\u00f6ffentlichte die BVZ am 21.2<em>.<\/em>:<em> Leider haben die K\u00e4mpfe schwere Opfer an Menschenleben gekostet. Im Marienhospital liegen 13 Tote<\/em>. Die Angreifer haben <em>eine Reihe [eigener] Toter nach ausw\u00e4rts mitgenommen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Den wichtigsten Beitragt ver\u00f6ffentlichte die Zeitung am 27.2., als sie \u00fcber die Gemeindevertretung vom 25.2. berichtete, <em>an der auch der Arbeiterrat teilnahm<\/em> und <em>der Vorsitzende Beigeordneter Dr. Brinkmann die Verhandlungen <\/em>er\u00f6ffnete,die von zwei Themen beherrscht wurden: von der Schilderung der K\u00e4mpfe und ihrer Vorgeschichte durch <em>Herrn Kommissar Breuer <\/em>und von der Stellungnahme zu <em>gewissen Ger\u00fcchten und Missstimmungen<\/em> dar\u00fcber,<em> dass die Verwaltung<\/em><a href=\"#_edn29\"><sup>[29]<\/sup><\/a><em> nicht anwesend gewesen sei, w\u00e4hrend die Beamten<\/em><a href=\"#_edn30\"><sup>[30]<\/sup><\/a><em> Blut und Leben geopfert haben<\/em> (Gemeindevertreter Hegermann).<a href=\"#_edn31\"><sup>[31]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>2.2.1 <em>\u2026 sahen zu, wie unseren Beamten die Sch\u00e4del eingeschlagen\u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kommissar Breuer h\u00f6rte, nachdem das Ultimatum des <em>Hauptanf\u00fchrers aus Sterkrade<\/em> schon eine Stunde abgelaufen war, die ersten Artilleriesch\u00fcsse um <em><sup>1\/4<\/sup>4<\/em>, der <em>sechste Schuss war ein Volltreffer auf dem Rathausturm<\/em>. Dabei wurde auch die Gasleitung zerst\u00f6rt, sodass <em>der ganze Keller des Rathauses voll Dunst<\/em> war, der sich nach oben verbreitete. <em>Um 6<\/em> (18:00) <em>Uhr lie\u00df ich die wei\u00dfe Fahne vom Meldeamt aush\u00e4ngen<\/em> \u2013 danach sind aus dem Rathaus heraus noch <em>5 Sch\u00fcsse gefallen<\/em>. Bis zum Hissen der Fahne <em>hatten die Spartakisten eine Menge Tote<\/em>, so Breuer, <em>wir nur einen, den Gendarmeriewachtmeister Hundt<\/em> (und zwei Verwundete und einen Versch\u00fctteten). Als <em>wir uns ergeben hatten, wurde sofort gerufen: Spartakisten und Unabh\u00e4ngige heraus!<a href=\"#_edn32\"><strong>[32]<\/strong><\/a> Es traten darauf vor: Ender, Piefke, Sittek, Ackermann<a href=\"#_edn33\"><sup><strong><sup>[33]<\/sup><\/strong><\/sup><\/a> und Banko, denen passierte nichts. Sie sahen zu, wie unseren Beamten die Sch\u00e4del eingeschlagen und Arbeiterrat Werner totgeschlagen wurde<\/em> (27.2.19).<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die BVZ bestanden die <em>Untaten eines lichtscheuen Gesindels<\/em> vom 19.2. darin, dass <em>Schr\u00e4nke erbrochen und durchw\u00fchlt<\/em> worden waren, <em>Akten und Papier \u2026&nbsp; auf dem Fu\u00dfboden<\/em> im Rathaus lagen (22.2.19). Am 23.2. (Sonntag) erlebte Bottrop den <em>Einmarsch des Freikorps ohne Widerstand<\/em> &#8211; ohne die Ereignisse nach der Kapitulation auch nur zu erw\u00e4hnen (24.2.19). Nachdem die BVZ aber f\u00fcr den R\u00fcckblick auf die <em>Ereignisse der letzten Woche \u2026<\/em> <em>zahlreiche m\u00fcndliche Mitteilungen<\/em> ausgewertet hatte, gab sie eine v\u00f6llig andere Darstellung: <em>Als [die Besatzung] sich ergeben hatte, wurde sie auf dem Rathausplatze auf einen Haufen gestellt, beschossen und mit Gewehrkolben buchst\u00e4blich totgeschlagen<\/em> (25.2.19). Diese Zusammenfassung ist, gemessen an den Zeugenaussagen vor dem Essener Schwurgericht, einfach falsch. Mindestens drei Zeugen haben gesehen, dass Polizeisergeant Jandt beim Herauskriechen aus dem Kellerfenster zum Hof durch Kolbenschl\u00e4ge get\u00f6tet wurde; nicht einig waren sie sich, ob das im Keller oder beim Herauskriechen geschehen ist. Ein Zeuge sah zwei Leichen auf dem Platz, ein anderer mehrere im Keller. Hausmeister Hollenkamp sagte aus, dass ein Polizeibeamter \u2013 wieder auf dem Hof &#8211; einen Schlag bekam, st\u00fcrzte, erneut aufstand, einen Schlag mit dem Gewehr auf den Kopf bekam und liegen blieb; damit legte er den Grundstein f\u00fcr die besonders blutr\u00fcnstige Erz\u00e4hlung \u00fcber den Keienborg-Tod.<a href=\"#_edn34\">[34]<\/a> Andere Zeugen berichteten, dass sie unbewaffnet nach drau\u00dfen gingen, dabei beschossen wurden. Ein Zeuge, der nur zuf\u00e4llig bei den Angreifern war, wie er erkl\u00e4rte, sah, wie ein Wehrmann schon erschlagen am Boden lag und ein Polizeibeamter neben ihm <em>niedergeschlagen<\/em> wurde. Nicht ein Zeuge brachte das Erschlagen mit einem vorausgegangenen Zusammentreiben der Wehrlosen in Zusammenhang. Alle belie\u00dfen es in der Zeit unmittelbar nach der Kapitulation und an verschiedenen Orten. Das Aufstellen der Verteidiger zu einem Haufen, zu Reihen, um dann auf sie zu schie\u00dfen oder <em>einen Beamten nach dem anderen mit dem Kolben zu erschlagen<\/em>, hat es nicht gegeben. <a href=\"#_edn35\">[35]<\/a> Das Zusammentreiben, Aufstellen in Reihe gab es erst, als ein Teil der Rathausverteidiger nach Sterkrade\/M\u00fclheim abgef\u00fchrt werden sollte. <em>Gewerkschaftsbeamter Veelken-Bottrop<\/em>, christliche Gewerkschaften, erw\u00e4hnte das Erschlagen in seinem Bericht f\u00fcr den Untersuchungsausschuss mit keinem Wort (Drucksache 3228; S. 5616\/17).<\/p>\n\n\n\n<p>Am 26.2. horchte die BVZ auf wegen der <em>bemerkenswerten Gedanken<\/em> des evangelischen Pfarrers Lichtenberg, der w\u00e4hrend <em>der Beisetzung der 13 Opfer<\/em> und mit Blick auf das in den vier Kriegsjahren geflossene Blut fragte, <em>warum diese Opfer?<\/em> \u2013 und antwortete: <em>Wir richten nicht. Es w\u00e4re falsch, einzelne Personen, Klassen oder Parteien anklagen zu wollen<\/em> (26.2.19). Beigeordneter Brinkmann machte sich am 25.2. Gedanken \u00fcber den Grund f\u00fcr die <em>gro\u00dfe, furchtbare Erbitterung bei den Spartakisten<\/em> &#8211; zu den Todesf\u00e4llen sagte er nichts. Hegermann hatte in der <em>gesamten B\u00fcrgerschaft \u2026 nur Worte des gr\u00f6\u00dften Lobes \u00fcber unsere Verteidiger <\/em>geh\u00f6rt, aber keine \u00fcber ein <em>Blutbad<\/em>. Vorsitzender Arbeiterrat B\u00fcnte sah zwar durch die <em>Bottroper Vorg\u00e4nge<\/em> f\u00fcr die <em>Truppen jetzt den moralischen Weg off<\/em>en, den <em>ganzen Landstrich von den Spartakisten zu s\u00e4ubern<\/em>, von irgendwelchen Morden bei der Eroberung des Rathauses wusste er nichts zu sagen (27.2.19).<\/p>\n\n\n\n<p>Es waren kurz darauf dann die vier Bergarbeiterverb\u00e4nde,<a href=\"#_edn36\"><sup>[36]<\/sup><\/a> die den Generalstreik abwenden wollten, indem sie ihren <em>organisierten Bergarbeitern<\/em> er\u00f6ffneten, sie w\u00fcrden <em>zu politischen Putschen zugunsten der Bolschewiki<\/em> von <em>Elementen<\/em> verleitet, die <em>wie Raubm\u00f6rder in Bottrop hausten und Gefangene abschlachteten, wie dies noch nicht einmal von Senegalesen in der Kriegszeit geschah<\/em> (1.3.19). Es h\u00e4tte ihre Einsch\u00e4tzung nicht ge\u00e4ndert, wenn sie die Feststellung Ernst Enders im neuen Gemeinderat<a href=\"#_edn37\"><sup>[37]<\/sup><\/a> der kurz darauf zur Stadt aufgestiegenen Gemeinde Bottrop gekannt h\u00e4tten, der Kommissar Breuer attestierte, dass sein <em>Bericht nicht der Wahrheit entspricht<\/em>: \u2026 <em>&nbsp;Herr Breuer hat einen ganz falschen Bericht in dieser Sache gegeben<\/em> (26.3.19). Ende des Jahres schaute das Freikorps Lichtschlag auf&nbsp; Vorg\u00e4nge zur\u00fcck, bei denen <em>13 Polizeibeamte und B\u00fcrger in gemeiner Weise erschlagen<\/em><a> <\/a>worden waren.<a href=\"#_edn38\"><sup>[38]<\/sup><\/a> Im Fr\u00fchjahr 1920 machte es die Polizei-Inspektion amtlich, dass am 19.2.1919 <em>die hereinstr\u00f6menden bewaffneten Massen \u2026 eine Anzahl Polizeibeamte und Sicherheitsleute wie Tiere totschlugen und niederknallten.<\/em><a href=\"#_edn39\"><sup>[39]<\/sup><\/a>An die Verf\u00e4lschung der Fakten vom 19.2.19 durch die vier Bergarbeiterverb\u00e4nde kommt nur noch heran, was Schulze-Pfaelzer<a href=\"#_edn40\"><sup>[40]<\/sup><\/a> dazu zusammenfabulierte: <em>Einen Tag nach dem Essener Gewaltbeschluss<\/em><a href=\"#_edn41\"><sup>[41]<\/sup><\/a><em> erlebt Bottrop ein Blutbad, das in der Geschichte des ersten revolution\u00e4ren Ruhrkampfes nicht seinesgleichen findet<\/em>. Dieser <em>Massenmord<\/em>, dieses <em>Massaker l\u00e4sst sich nicht aus ihrem (der Radikalen) Schuldbuch l\u00f6schen<\/em>. \u2026 <em>Die Aufst\u00e4ndischen dringen in das demolierte Geb\u00e4ude, entwaffnen die Sicherheitsmannschaft und erschlagen mehr als ein halbes Hundert mit Eisenstangen,<\/em><a href=\"#_edn42\">[42]<\/a><em> Kn\u00fcppeln und Gewehrkolben<\/em>. Den ersten Teil des Schulze-Pfaelzer-Zitats \u00fcbernimmt eine im Februar 2019 im Bottroper Buchhandel ausgelegte Schrift,<a href=\"#_edn43\"><sup>[43]<\/sup><\/a> l\u00e4sst das <em>grauenvolle Blutbad<\/em> an den <em>wehrlosen<\/em> <em>Verteidigern<\/em> aber so ablaufen, dass <em>13 der M\u00e4nner zumeist mit dem Gewehrkolben erschlagen <\/em>wurden (WAZ: 19.2.2019). Reininghaus, der mit Quellen fachgerecht umgeht, kann dagegen festhalten, <em>nirgendwo in Westfalen verlief die Geschichte der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te \u2026 dramatischer und wechselvoller als in Bottrop. \u2026 Der spartakistische Sturm auf das Rathaus mit 13 Toten am 19. Februar beseitigte den alten Rat<\/em>.<a href=\"#_edn44\"><sup>[44]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nimmt man die Aussage Breuers w\u00f6rtlich, dann wurden drei Polizeibeamte<a href=\"#_edn45\">[45]<\/a> und Arbeiterrat Werner totgeschlagen. Die toten Rathausverteidiger wurden ins Marienhospital gebracht und untersucht. Dr. Zumhasch, Marienhospital, berichtete dem Essener Schwurgericht von 18 Verletzten, <em>einige mit Verletzungen durch Kolbenschl\u00e4ge<\/em>. \u00dcber die Toten sagte er nichts (26.7.19). Die Ergebnisse der Obduktionen h\u00e4tten Aufschluss \u00fcber Todesart und (vielleicht) -zeitpunkt gegeben, sind aber nicht mehr auffindbar.<\/p>\n\n\n\n<p><em>2.2.2 \u2026 von z\u00fcgellosen Banden angefallen und gepl\u00fcndert<br><\/em>Beigeordneter Dr. Ewald &nbsp;Brinkmann, in den Funktionen des Amtmanns, hatte gesehen, dass <em>die Gemeinde Bottrop von z\u00fcgellosen Banden angefallen und gepl\u00fcndert worden<\/em> war, die <em>Willk\u00fcr, Raub und Terror<\/em><a> <\/a>brachten \u2013 darum <em>Ehre, dreimal Ehre den braven und tapferen Verteidigern unseres sch\u00f6nen Rathauses<\/em>. Er selbst hatte sich die Frage gestellt, <em>ob angesichts der \u00dcbermacht der Angreifer die Verteidigung des Rathauses m\u00f6glich und n\u00fctzlich<\/em> w\u00e4re, und <em>die folgenschwerste Entscheidung meines Lebens <\/em>so beantwortet, an der <em>endg\u00fcltigen Besprechung <\/em>[dar\u00fcber]<em> nicht mehr bis zum Schluss<\/em> teilzunehmen, sondern sich mit dem Kollegen Schmitz aus dem Rathaus abzusetzen: Er glaubte nicht an einen Angriff; die&nbsp; Arbeiterr\u00e4te der Unabh\u00e4ngigen, Piefke und Ender, hatten f\u00fcr die \u00dcbergabe des Rathauses pl\u00e4diert; \u00fcberhaupt <em>lag die Entscheidung [dar\u00fcber] dem Arbeiter \u2013 und Soldatenrat ob<\/em>.<a href=\"#_edn46\">[46]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Brinkmann hielt sich mit dem Kollegen Emil Schmitz erst bei Verwandten auf, die ihm sagten, das <em>Rathaus ist eingenommen und die Beamten s\u00e4mtlich erschlagen<\/em>, dann in Essen, dann in Recklinghausen, schlie\u00dflich \u2013 samstags &#8211; in Gladbeck, wo <em>ein Oberst<\/em> ihm erkl\u00e4rte, dass<em> die Spartakisten Verhandlungen angekn\u00fcpft h\u00e4tten<\/em>, die auch mit einem <em>Abkommen<\/em> beendet worden w\u00e4ren, sodass ein Kampf wohl nicht stattfinden w\u00fcrde. Brinkmann entschied daraufhin, sich nicht mit <em>derartigen Horden, \u2026 R\u00e4ubern, Pl\u00fcnderern und M\u00f6rdern, \u2026 an einen Tisch zu setzen<\/em>, sonden zeitnah mit dem Freikorps Lichtschlag nach Bottrop zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Beigeordneter Schmitz best\u00e4tigte: <em>Ich schlie\u00dfe mich den Ausf\u00fchrungen meines Kollegen an<\/em> (27.2.19).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nahrungsmittelnot bedeutet Pl\u00fcnderung und Raub,<\/em> wusste <em>Reichskanzler<\/em> Ebert (11.11.18). Diebstahl, Pl\u00fcnderung und Raub waren nicht nur eine Folge der seit Jahren andauernden Hungersnot, sondern auch der teilweise ungeordnet vollzogenen R\u00fcckkehr der Soldaten, die sich eigenm\u00e4chtig von der Truppe entfernt hatten und nun, teils noch bewaffnet, in die Heimat zur\u00fcckfluten und dort die A&amp;S-R\u00e4te vor besondere Aufgaben stellten. <em>Schwerste Strafen gegen Pl\u00fcnderer<\/em> von <em>Verpflegungsz\u00fcgen und -magazinen<\/em> (22.11.18) verlangte der Rat der Volksbeauftragten; und der Vollzugsrat erwartete von den A&amp;S-R\u00e4ten, sch\u00e4rfste Ma\u00dfnahmen gegen die <em>unehrlichen Heeresangeh\u00f6rigen und Hehler<\/em> zu ergreifen (28.11.18). Selbst Hindenburg konnte nicht umhin, sein Heer zu mahnen, <em>lasst Euch nicht verf\u00fchren, den Truppenteil vorzeitig und eigenm\u00e4chtig zu verlassen<\/em> (30.11.18).<a href=\"#_edn47\">[47]<\/a> Der Bottroper A&amp;S-Rat drohte am 11.11. in einem Aufruf, <em>wer pl\u00fcndert oder raubt, wird nach Verh\u00f6r erschossen<\/em> &#8211; \u00e4hnlich der nach der Rathausbesetzung neu gebildete (20.2.19). In Bottrop wurde niemand wegen Pl\u00fcnderns erschossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 24.2. ermunterte die BVZ ihre Leser, <em>einwandfreies Material f\u00fcr eine ausf\u00fchrliche Berichterstattung \u00fcber Pl\u00fcnderungen<\/em> zu schicken \u2013 es reichte nicht f\u00fcr einen umfassenden Bericht.<a href=\"#_edn48\">[48]<\/a> Am 27.2. forderte die Stadt ihre B\u00fcrger auf, die in der letzten Woche entstandenen&nbsp;&nbsp; <em>Tumultsch\u00e4den<\/em> zu melden \u2013 es kam (fast) nichts.<a href=\"#_edn49\">[49]<\/a> Der Essener Schwurgerichtsprozess brachte zutage, dass die Spartakisten 20 \u2013 25 Kilo Butter aus den Lebensmittelbest\u00e4nden der Stadt (23.7.19) requiriert hatten; 4 Sack Bohnen, 2 Sack Erbsen, einen Sack Hafer luden sie auf ein Auto und transportierten sie ab (2.8.19). Das reichte dem Untersuchungsrichter, um von <em>stattgefundenen Pl\u00fcnderungen, die \u2026 aus dem Rathaus mit Automobilen fortgeschafft<\/em> wurden, zu sprechen (25.7.19).<a href=\"#_edn50\">[50]<\/a> Der Obmann der Bottroper Sicherheitswehr hatte Pl\u00fcnderungen an <em>vielen Stellen<\/em> beobachtet,<a href=\"#_edn51\">[51]<\/a> blieb aber konkrete Angaben schuldig (26.7.19).<a href=\"#_edn52\">[52]<\/a> Bugsteeg konnte auch nicht viel kriminelle Energie der Spartakisten zusammentragen (S. 37\/38). Die<em> Pl\u00fcnderung der Gemeinde<\/em> <em>Bottrop<\/em>, die Quasi-Amtmann Brinkmann gesehen haben will und mit der er auch nach seiner Flucht aus dem Rathaus das Lichtschlag-Korps zum sofortigen Eingreifen \u2013 im Wortsinne &#8211; bekniete (26.2.19), hat es nicht gegeben. Auch seine Aussage gegen\u00fcber dem Generalkommando, <em>niemand sei in Bottrop seines Lebens mehr sicher<\/em>, wird durch die Meldung,<a href=\"#_edn53\"><sup>[53]<\/sup><\/a> dass am 20. und 21.2. <em>viele Neugierige aus der Umgebung Bottrop besuchten<\/em>, als Fake bewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch gelangten die <em>Pl\u00fcnderungen<\/em> und <em>R\u00e4ubereien<\/em>, gesehen durch den Beigeordneten Brinkmann, in den offiziellen Lichtschlag-Bericht (S. 19) und in den Bericht des Untersuchungsausschusses f\u00fcr die Verfassunggebende Preu\u00dfische Landesversammlung, wurden also quasi amtlich (S. 5612).<\/p>\n\n\n\n<p>3. Alois Fulneczek &#8211; der politische Mord<\/p>\n\n\n\n<p>1922, erweiterte Neuauflage 1924, erschien Emil Julius Gumbels Buch <em>Vier Jahre politischer Mord<\/em>, das einen Bottroper <em>Spartakistenf\u00fchrer<\/em> \u00fcberregional bekanntmachte \u2013 Maurer Alois Fulneczek. Erschossen hatte ihn in putativer Notwehr, wie ein Milit\u00e4rgericht befand, der Lichtschlager Heuer. Das Bottroper Standesamt bescheinigte, dass Fulneczek am 23.2.1919 um 13:30 Uhr im Gerichtsgef\u00e4ngnis verstorben war. Das Freikorps Lichtschlag, das Mitte Februar in Dorsten 40 revolution\u00e4re Arbeiter get\u00f6tetund am 19.2. Kirchhellen <em>ges\u00e4ubert<\/em> hatte,<a href=\"#_edn54\"><sup>[54]<\/sup><\/a> r\u00fcckte am 23.2. (Sonntag) gegen 10 Uhr kampflos in Bottrop ein (24.2.19).<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>3.1 Der gro\u00dfe Unbekannte<\/p>\n\n\n\n<p>Die BVZ erw\u00e4hnte Fulneczek nur einmal, am 24.2. &#8211; da war er aber bereits tot, <em>auf der Flucht erschossen<\/em> am 23.2. von ihn <em>begleitenden Posten<\/em> des Lichtschlagkorps als er <em>zum Gerichtsgef\u00e4ngnis \u00fcberf\u00fchrt werden<\/em> sollte. Es war seine <em>zweite<\/em> Verhaftung und er hatte <em>noch Waffen bei sich<\/em>, wie das Blatt hervorhob. Die Gefangennahme erfolgte, weil er <em>den Anordnungen des Milit\u00e4rs nicht Folge leistete<\/em>. (24.2.19). Ein Fotograf der damals sehr angesehenen Berliner Sennecke-Bildagentur begleitete die Lichtschlag-Truppe und schoss ein Bild des Verhafteten mit seiner Eskorte am (heutigen) Altmarkt&nbsp; \u2013 erkennbar (am Schattenwurf Mitte Februar) um die Mittagszeit.<a href=\"#_edn55\"><sup>[55]<\/sup><\/a> <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_10.jpg\" alt=\"\" width=\"460\" height=\"395\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Auch Spethmann lie\u00df <em>einen der bewaffneten Anf\u00fchrer, Fuldzennek, \u00fcberrumpeln<\/em> und bei <em>einer Schie\u00dferei \u2026 mit dem Posten<\/em> umkommen \u2013 bei ihm in der Nacht vom 23. auf den 24.2.<a href=\"#_edn56\">[56]<\/a> Auf die Version der BVZ beruft sich Hoffmann,<a href=\"#_edn57\"><sup>[57]<\/sup><\/a> <em>amtliche Darstellung<\/em> nennt er sie, kombiniert sie mit der <em>zweiten<\/em> Verhaftung und verbindet beide mit dem Geschehen am 19.2.: <em>was nahelegt, dass zuvor \u2026 schwerwiegende Anschuldigungen gegen [Fulneczek] vorgebracht worden waren<\/em> (WAZ: 21.2.2019).<a href=\"#_edn58\"><sup>[58]<\/sup><\/a><br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich spielte Fulneczek schon am 19.2. w\u00e4hrend der <em>Schlacht von Bottrop <\/em>eine Rolle. Als Kommissar Breuer vor dem Gemeinderat berichtete, die Angreifer h\u00e4tten nach der Kapitulation gerufen, <em>Spartakisten und Unabh\u00e4ngige heraus<\/em>, da trat auch Fulneczek vor. Allerdings hie\u00df er im BVZ-Bericht Ackermann \u2013 die Redaktion stellte die Verwechselung am 26.3.19 richtig. Fulneczek war also w\u00e4hrend des Kampfes um das Rathaus im Rathaus. Zuf\u00e4llig kann er nicht dort gewesen sein, sondern geh\u00f6rte entweder zum Arbeiterrat, zur Sicherheitswehr oder zu den f\u00fcnf am 17.2. auf Prosper II oder zu den siebzehn in der Nacht zum 19.2. auf Prosper I verhafteten und ins Polizeigef\u00e4ngnis gebrachten Spartakisten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die BVZ war Fulneczek eine Unperson \u2013 im Bericht \u00fcber die Zeit zwischen der Rathauseroberung (19.2.) und dem Einmarsch der Lichtschlagtruppe (23.2.) kommt er nicht vor. F\u00fcr den neuen A&amp;S-Rat unterzeichnen <em>Battenfeld<\/em> und <em>K\u00fcppers<\/em> einen Aufruf an die Bev\u00f6lkerung. Die <em>hier anwesenden F\u00fchrer der Spartakisten<\/em>, die sich f\u00fcr die Freilassung der noch in M\u00fclheim gefangenen <em>Gendarmen, Polizei- und Kriminalbeamten<\/em> einzusetzen versprachen, blieben ebenso konturenlos (22.2.19) wie <em>die Bottroper Spartakisten und Unabh\u00e4ngigen<\/em>, die am Samstag in Bottrop zur\u00fcckblieben, nach Abzug der ausw\u00e4rtigen (24.2.19). Auch wer f\u00fcr die Bottroper Spartakisten das <em>Vorf\u00fchlen <\/em>(21.2.) bei den Truppen des Generalkommandos unternommen hatte, bleibt dunkel (24.2.19). Ebenso unbekannt ist, wer auf Bottroper Seite mit dem Lichtschlag-<em>Offizier<\/em> gesprochen hat, der am <em>22.2.<\/em> <em>nach Bottrop gesandt<\/em> wurde, um <em>\u00fcber die Besetzung von Bottrop<\/em> zu verhandeln.<a href=\"#_edn59\"><sup>[59]<\/sup><\/a> <em>Die Waffenstillstandsverhandlungen<\/em><a href=\"#_edn60\">[60]<\/a> belegen zwar, dass der Rathaussturm einem gewissen \u00fcberregionalen Plan folgte und die Versammlung der A&amp;S-R\u00e4te in Essen (Baade) und die Neunerkommission (Will) Verbindung zu den Anf\u00fchrern hatten, Will sogar am 22.2. in Bottrop gewesen ist, wo er mit <em>den F\u00fchrern der drei verschiedenen Richtungen<\/em> gesprochen hatte, Baade am 22.&nbsp; noch Verhandlungen f\u00fchren wollte \u2013 ob Fulneczek dabei war, sagten sie aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der offizielle Bericht der Lichtschlagtruppe beschreibt, wie eine Offizierspatrouille<\/p>\n\n\n\n<p>(6 Mann) mit 6 Meldereitern die im Sitzungssaal versammelten Spartakisten \u00fcberrumpelt hat, dass im <em>Laufe des Tages alle Formationen<\/em> der Lichtschlager in Bottrop eingetroffen sind und <em>die ganze Stadt nach Waffen durchsucht<\/em> worden ist. Eine sp\u00e4tere Schilderung der \u00dcbernahme Bottrops erw\u00e4hnt zwei zus\u00e4tzliche Details:<a href=\"#_edn61\"><sup>[61]<\/sup><\/a> Wie \u00fcblich<em> wurde die Stadt nach Waffen und Aufr\u00fchrern durchsucht<a href=\"#_edn62\"><strong>[62]<\/strong><\/a><\/em> und der <em>Kommandeur, Hauptmann Lichtschlag<\/em>, traf mit <em>zwei Offizieren des Kommandostabes im Auto als erster in Bottrop<\/em> ein. <em>Ein wild aussehender Pole, Fulneczek, H\u00e4uptling der Rotgardisten, stellte sich als Kommandeur von Bottrop vor, worauf Hauptmann Lichtschlag seinerseits das Kommando \u00fcber Bottrop \u00fcbernahm<\/em>; Fulneczek wurde <em>auf der Flucht erschossen<\/em>.<br>Selbst als der neue A&amp;S-Rat des <em>Stadtkommandanten K\u00fcppers<\/em> (23.7.19) sich am 22.2. nicht einig war, ob er der <em>Einigung zwischen Generalkommando und Streikkommission<\/em> folgen sollte, wurde Fulneczek nicht erw\u00e4hnt, sodass <em>in den Abendstunden<\/em> <em>Piefke, Ackermann<\/em><a href=\"#_edn63\"><sup>[63]<\/sup><\/a><em> und Sittek<\/em> ein Flugblatt verteilten, dass mit Hinweis auf den <em>Beschluss der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te in Essen vom 21. Februar 1919 den Generalstreik bis auf Weiteres<\/em> f\u00fcr <em>abgebrochen<\/em> erkl\u00e4rte (24.2.19).<a href=\"#_edn64\">[64]<\/a> Nur Hoffmann wei\u00df, dass Fulneczek <em>offenbar \u00fcber die gesamte Zeit zu den Wortf\u00fchrern gez\u00e4hlt hatte<\/em> (S. 14).<\/p>\n\n\n\n<p>3.2 Fulneczeks Balkonrede<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Ver\u00f6ffentlichung von 2019 wurde am 19.2.1919 nach der Kapitulation <em>auf dem Rathaus die rote Fahne gehisst. Alois Fulneczek hielt vom Balkon eine Rede<\/em>,<a href=\"#_edn65\">[65]<\/a> \u2026 <em>kurz nach den auf dem Rathausvorplatz geschehenen Verbrechen<\/em>, \u2026 <em>wom\u00f6glich in Sichtweite zu den Erschlagenen<\/em>. Fulneczek wird so zum Augenzeugen, der zugeschaut aber nicht geholfen und auch sp\u00e4ter nicht geahndet hat, und damit zum wahren Verantwortlichen f\u00fcr die Toten nach der Kapitulation. Hoffmann braucht Fulneczek, damit die Weste des Freikorps Lichtschlag halbwegs wei\u00df bleibt.<a href=\"#_edn66\">[66]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube auch, dass Alois Fulneczek eine Rede gehalten hat, in der er die Angreifer beruhigte, die nicht zuletzt durch die nach der Kapitulation auf die Eroberer abgegebenen Sch\u00fcsse \u2013 ein Teilnehmer warf, wie er sagte, noch eine Handgranate \u2013 aufgebracht waren. Ob die revolution\u00e4ren Arbeiter dabei Opfer zu beklagen hatten, erw\u00e4hnten weder BVZ noch Polizeiinspektion. Mir gef\u00e4llt auch die Idee, Fulneczek sei der geheimnisvolle Unbekannte, den Wachtmeister Hannemann befehlen l\u00e4sst, <em>herunter mit den Gewehren!<\/em>, und der so den schon in Reih und Glied zum Erschie\u00dfen aufgestellten Beamten das Leben rettete. Leider gibt es keinen historischen Beweis f\u00fcr die Rede \u2013 nicht ein Augenzeuge erw\u00e4hnt sie. Sicher ist aber, dass der, der dem Freikorps als Verhandlungsf\u00fchrer nach dem Rathaussturm gegen\u00fcbertreten w\u00fcrde, mit dem Schlimmsten rechnen musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Alois Fulneczek hat es getan.<\/p>\n\n\n\n<p>4. <em>Aus den Tiefen der H\u00f6lle \u2026<br><\/em>Wer die historische Berechtigung einer Revolution verneint oder die Ereignisse von 1918\/19 nicht als Revolution anerkennt, kann nur als <em>Aufruhr <\/em>verstehen, was damals geschah. Die Bottroper Erz\u00e4hlungen \u00fcber den Rathaussturm aber wollten mehr. Es ist kein Zufall, dass Bottrops damaliger oberster aktiver Polizeibeamter Breuer das Bild w\u00e4hlte der aufgestellten wehrlosen Beamten, die einer nach dem anderen in einer Art geordneten bestialischen Exekution erschlagen wurden, w\u00e4hrend die Genossen <em>Ender \u2026 Banko<\/em> <em>zusahen<\/em>. Der Beigeordnete Brinkmann sicherte die Erz\u00e4hlung ab mit der Vermutung, es h\u00e4tte f\u00fcr die Spartakisten keinen Unterschied gemacht, <em>wenn die \u00dcbergabe sofort erfolgt w\u00e4re<\/em>. (27.2.19). Denn (richtige) Menschen waren das ja wohl nicht, die da gehaust, den <em>Massenmord<\/em>, das <em>Massaker<\/em> begangen hatten. Nur gelegentlich schimmerte durch den Schirm der monstr\u00f6sen Erz\u00e4hlungen, den die b\u00fcrgerliche wie MSPD-Presse und die Bergbauverb\u00e4nde \u00fcber die Ereignisse gespannt haben, hervor, dass die Darstellungen massiv tendenzi\u00f6s waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Polizeikommissar Breuer stellte in seinem Bericht keine Vermutungen \u00fcber die Zahl der Angreifer an. In der BVZ waren es <em>ca. 1.000<\/em>, f\u00fcr den Regierungspr\u00e4sidenten <em>5.000 Spartakisten, die Bottrop besetzt<\/em> hatten.<a href=\"#_edn67\">[67]<\/a> Tats\u00e4chlich waren es kaum 500 Angreifer.<a href=\"#_edn68\">[68]<\/a><br><em>Gewerkschaftsbeamter Veelken &#8211; Bottrop<\/em> wusste, dass <em>wir h\u00f6chstens 80 Mann<\/em> zur Verteidigung hatten.<a href=\"#_edn69\">[69]<\/a> Kriminalkommisar Kivelip legte die \u00f6ffentliche Sicherheit in die Obhut der Polizei, der Gendarmerie und der Sicherheitswehr aus 125 Mann (25.7.19). Das w\u00e4ren gut 200 Mann.<a href=\"#_edn70\">[70]<\/a> Das Verh\u00e4ltnis 2 : 5 zeigt zwar nicht die <em>ungeheure \u00dcbermacht der Spartakisten<\/em>, tut aber der <em>pers\u00f6nliche Tapferkeit der Verteidiger<\/em> keinen Abbruch (25.2.19). Die Aufgabe eines <em>durch Maschinengewehre in Verteidigungszustand gesetzten<\/em> Rathauses<a href=\"#_edn71\">[71]<\/a> wegen des sich ausbreitenden Gases in den R\u00e4umen klang wohl nicht heldenhaft genug (25.2.19).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Toten<em> nach dem Hissen der wei\u00dfen Fahne <\/em>sind<em> Opfer eines Missverst\u00e4ndnisses geworden<\/em>. Diese von der BVZ nur unter dem Zwang der Zensur gedruckte, also (einzige) ver\u00f6ffentliche Sicht der <em>Spartakisten<\/em>, gleicht einer \u00f6ffentlichen Bitte um Entschuldigung. Das machen <em>R\u00e4uber- und M\u00f6rderbanden<\/em> eher nicht. Sie stellen auch kein Ultimatum, das ist das Verhalten sich im Recht sehender (Kriegs-) Parteien. Die <em>ausw\u00e4rtigen Spartakisten<\/em> haben sich am 22.2. auch nicht feige, wie die BVZ insinuierte, heimlich aus dem Staube gemacht, sondern waren entsprechend der Waffenstillstandsvereinbarungen dazu verpflichtet; die <em>M\u00f6rderbanden<\/em> ersparten so der Stadt zudem die Beschie\u00dfung durch die Lichtschlager \u2013 und die h\u00e4tten es gr\u00fcndlicher gemacht als die Spartakisten, die, stimmt es, was Bucksteeg berichtet (S. 37), sich erst von einem Kriegsteilnehmer zeigen lassen mussten, wie mit einer Kanone umzugehen war.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Gefangenen mussten mit hocherhobenen H\u00e4nden bis Sterkrade marschieren. Wenn einem von ihnen die H\u00e4nde erlahmten, erhielt er Kolbenschl\u00e4ge in R\u00fccken und Nacken<\/em> (25.2.19). Gendarmeriewachtmeister Hannemann erg\u00e4nzte, dass sie <em>bespuckt und mit Zigarettekippen beworfen<\/em> wurden. Allerdings gab er im Gerichtsprozess an, sein Geld, erst genommen, zur\u00fcckbekommen zu haben (26.7.19), w\u00e4hrend Kommissar Breuer nachdr\u00fccklich darauf bestand, da\u00df <em>alle Gefangenen voll\u017ft\u00e4ndig ihres Eigentums beraubt<\/em> wurden (25.2.19).<br>Deutlich anders aber durchaus schuldbewusst der Angeklagte Thomas aus D\u00fcsseldorf, der etwa 85 Gefangene nach Sterkrade gebracht hatte:<em> Dass auf einige Gefangene anfangs von dem P\u00f6bel eingeschlagen worden ist, habe er \u2026 nicht zu hindern vermocht<\/em> (23.7.19).<a href=\"#_edn72\">[72]<\/a> Mindestens ein Spartakist, Mitglied im A&amp;S-Rat, allerdings sorgte sich um die Familien der Gefangenen und bot deshalb einem von ihnen an, nach Bottrop zu gehen, um die Angeh\u00f6rigen \u00fcber den Verbleib ihrer M\u00e4nner\/S\u00f6hne zu informieren (25.2.19).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bottroper Volkszeitung gab selbst einige Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass die verbreiteten Narrative falsch waren, die \u00fcber die Bottroper Vorg\u00e4nge um den 19.2.1919 auch in amtlichen Ver\u00f6ffentlichungen verbreitet wurden. Aber um die historische Wahrheit ging es ja auch gar nicht &#8211; haupts\u00e4chlich. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_13.jpg\" alt=\"\" width=\"449\" height=\"182\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Professor Schwarz, D\u00fcsseldorf, brachte es auf dem Katholikentag in Bottrop auf den Punkt: <em>Aus den Tiefen der H\u00f6lle erhebt sich die Revolution<\/em>.<a href=\"#_edn73\">[73]<\/a> Und die vier Bergbauverb\u00e4nde erdachten das Abschreckungsmantra:<em> Denkt an die erschlagenen Kameraden in Hervest-Dorsten, Bottrop und Ickern<\/em> (1.3.19). Es wirkte allerdings nicht. Am 6.4.1919 befanden sich <em>372.000 Bergarbeiter im Generalstreik<\/em>. <em>Die Streikenden<\/em> hatten sich <em>mit den Forderungen der revolution\u00e4ren Arbeiter solidarisch erkl\u00e4rt<\/em> (7.4.19).<a href=\"#_edn74\">[74]<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref1\">[1]<\/a> Bottroper Adressbuch von 1920 &#8211; ein begeisterter Zeitgenosse auf Seite XI.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref2\">[2]<\/a> 1. Jb. der Stadt Bottrop 1919\/20; S. 194.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref3\">[3]<\/a> 2. Jb. der Stadt Bottrop 1920\/23; S. 13,14. Die Werte f\u00fcr 1919 wurden daraus abgeleitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref4\">[4]<\/a> Bucksteeg, Josef: Roter Terror und wei\u00dfer Schrecken, \u2026; S. 35. Standardwerk f\u00fcr die Bottroper Ereignisse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref5\">[5]<\/a> 1. Jb. der Stadt Bottrop, 1919\/20; S. 102\/3. Polizeikommissar Breuer gibt 18:00 Uhr f\u00fcr die Kapitualition an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref6\">[6]<\/a> Eine noch n\u00fcchternere Deutung gibt Bucksteeg, der dabei Tampke zitiert: Nach der Kapitulation wurde <em>wieder auf sie (die Angreifer) geschossen, was erneut zu K\u00e4mpfen mit schweren Opfern auf beiden Seiten f\u00fchrte<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref7\">[7]<\/a> Der Reichskanzler am 2.12.1914 im Reichstag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref8\">[8]<\/a> Philipp Scheidemann am 19.7.1917 im Reichstag, auf den Kriegseintritt (Februar\/April 1917) der USA anspielend. Die USA hatte die Kriegsgegner (Entente) vom Beginn an mit Kriegsmaterial und Nahrung unterst\u00fctz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref9\">[9]<\/a> Dieser Hinweis auf den Frieden von Brest-Litowsk, in dem das Deutsche Reich Russland <em>einen nahezu idealtypischen Diktatfrieden<\/em> aufzwang (Leonhard, J\u00f6rn: Die B\u00fcchse der Pandora, 2014; S. 816\/81), muss hier als Beleg gen\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref10\">[10]<\/a> Die Notation (16.7.17) bedeutet: Das Zitat stammt aus der Bottroper Volkszeitung vom 16.7.1917. Zitate sind kursiv gedruckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bottrop hatte damals eine Zeitung, die Bottroper Volkszeitung, Zentrums-Blatt nach eigenem Bekunden, das von Postberg verlegt und in der betrachteten Zeit von Schriftleiter Michael Haugg gemacht wurde. Sozialistische Zeitungen h\u00e4tten die SPD-W\u00e4hler aus Buer, Essen oder Recklinghausen beziehen k\u00f6nnen. Verbrieft ist, dass einige Bottroper den Volksfreund aus Recklinghausen lasen. SPD-Mitglieder kannten vermutlich auch den Vorw\u00e4rts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref11\">[11]<\/a> BVZ vom 18.11.1918: Die Gewerkschaften hatten daf\u00fcr zu sorgen, dass beim Achtstundentag <em>eine Verminderung der Arbeitsleistung nicht eintreten werde<\/em> und <em>Eingriffe in den<\/em> <em>Betrieb<\/em> <em>unbedingt zu vermeiden sind<\/em>. Zudem sollte die Verringerung der Arbeitszeit davon abh\u00e4ngen, dass die notwendigen Arbeiter auch verf\u00fcgbar w\u00e4ren, andernfalls \u00dcberstunden gemacht werden m\u00fcssten. Am 13.12. stimmten die Gewerkschaften zu, dass Lohnerh\u00f6hungen nur kommen sollten, wenn die Bergarbeiterverb\u00e4nde entsprechende<em> Preiserh\u00f6hungen f\u00fcr Kohlen, Koks und Briketts mit den Zechenbesitzern durchsetzen<\/em> werden (17.12.18). Am 9.1. akzeptierten die Bergarbeiterorganisationen als Vorbedingung f\u00fcr eine Sonderzuwendung einen 30 Millionen Staatskredit an die Bergbauunternehmen (11.1.19). Alle diese Vereinbarungen lie\u00dfen den Arbeitgebern eine T\u00fcr offen, sie nicht einzuhalten. Der ADGB (Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund), Dachverband der Freien Gewerkschaften, brauchte bis Januar 1924, um zu realisieren, dass die Arbeitgeberverb\u00e4nde die Gewerkschaften nur hingehalten hatten \u2013 er verlie\u00df die gemeinsame Arbeitsgemeinschaft (ZAG).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref12\">[12]<\/a> Friedrich Ebert verwies aber auf das abschreckende Beispiel Russland, von dem die deutschen Revolution\u00e4re den Namen R\u00e4te \u00fcbernommen hatten, mit dem die deutschen R\u00e4te aber die Vorstellung von Basisdemokratie verbanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref13\">[13]<\/a> \u00c4hnlich war es in M\u00fcnster, Recklinghausen, Haltern, Gladbeck, Buer, Gelsenkirchen, Oberhausen, Essen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref14\">[14]<\/a> So unspektakul\u00e4r beschreiben die <em>Sitzungsberichte des Arbeiter- und Soldatenrates in Bottrop<\/em> den Ausbruch der Revolution in Bottrop am 9.11.1918 \u2013 Stadtarchiv, B III 32, 25.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref15\">[15]<\/a> Arbeiteraussch\u00fcsse waren im Stinnes-Legin-Abkommen vereinbart, Vorl\u00e4ufer der heutigen Betriebr\u00e4te.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref16\">[16]<\/a> Am 10.11. lag <em>die politische Gewalt in H\u00e4ndern der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te<\/em> (12.11.18). Sie versammelten sich im Zirkus Busch und gaben dem Land eine Regierung, den <em>Rat der Volksbeauftragten<\/em>; der stellten sie den <em>Vollzugsrat<\/em> zu Seite, mit dem sie die Regierung kontrollieren wollten: Die Revolution hatte die Regierungsgewalt \u00fcbernommen. Die A&amp;S-R\u00e4te-Versammlung war MSPD-dominiert, Rat und Vollzugsrat parit\u00e4tisch von MSPD und USPD besetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref17\">[17]<\/a> Die Ereignisse in Berlin wurden in Bottrop aufmerksam verfolgt, k\u00f6nnen aber nur angedeutet werden. Niess, Wolfgang: Die Revolution von 1918\/19, 2017, beschreibt sie lesenswert auf den Seiten 199 \u2013 213 und 252 \u2013 270.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref18\">[18]<\/a> W\u00e4hrend der BVZ erst am 25.1. auffiel, dass Korbel am 10.1<em>. zum Rauben und Pl\u00fcndern<\/em> angetreten war, meldete die Polizeiinspektion (1. Jb.,1919\/20; S. 102), dass Korbel sich <em>am 7.1. mit ca. 100 \u2026 bewaffneten Spartakisten in den Besitz des Rathauses<\/em> setzen wollte. Das Jahrbuch erw\u00e4hnte den Zusammenhang mit der geforderten Neuordnung des A&amp;S-Rates.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref19\">[19]<\/a> Bucksteeg, Josef: \u2026; S. 59.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref20\">[20]<\/a> Generell erweckt die BVZ den Eindruck zu berichten, was sie gesehen oder recherchiert habe; tats\u00e4chlich gibt sie weitgehend die Meldungen des Milit\u00e4rs\/der Polizei unreflektiert wieder. (S. Bucksteeg, S. 45\/46)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref21\">[21]<\/a> Schulze-Pfaelzer, Gerhard: Von Spa nach Weimar; S. 233\/234.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref22\">[22]<\/a> Gustav Noske wurde Anfang 1919 Volksbeauftragter f\u00fcr Heer und Marine, dann Reichswehrminister.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref23\">[23]<\/a> Wilhelm Reinhard (die BVZ schrieb Reinhardt), Oberst, baute die Freiwilligen-Korps auf. Reinhard war am Kapp-Putsch beteiligt und re\u00fcssierte bei der SS.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref24\">[24]<\/a> BVZ vom 23.11.1918: <em>Die Regierung an die heimkehrenden Krieger.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref25\">[25]<\/a> Niess, Wolfgang: Die Revolution von 1918\/19, 2017; S. 355-357.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref26\">[26]<\/a> Der vorgeschobene Grund f\u00fcr das drakonische Eingreifen war der Mord an einem Bergwerksbeamten. Die Lichtschlager t\u00f6teten 40 Bergleute (Bucksteeg; S. 26).<em>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref27\">[27]<\/a> In der Verhandlung vor dem Schwurgericht in Essen (11.7.19) (Schwurgerichtsprozess) waren die Spartakisten auf dem Weg nach Dorsten; Kommissar Breuer am 25.2. vor dem Gemeinderat und die Polizeiinspektion (1. Jb.; S. 102) hatte die Spartakisten auf dem R\u00fcckweg von Dorsten angetroffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref28\">[28]<\/a> Die Polizeiinspektion erz\u00e4hlte die Begebenheit deutlich anders (1. Jb.; S. 102). Der Essener Schwurgerichtsprozess (11.7.19) st\u00fctzte die BVZ-Version.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref29\">[29]<\/a> Hegermann meinte den Beigeordneten Rechtsanwalt Dr. Ewald Brinkmann, Bottrop, der seit dem 1.6.1918 <em>die Gesch\u00e4fte der Verwaltung<\/em> f\u00fchrte. Zur Seite stand ihm seit Oktober 1918 der (zweite) Beigeordnete, Gerichtsassessor Emil Schmitz (1. Jb. der Stadt Bottrop, 1919\/20; S. 27\/28).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref30\">[30]<\/a> Beamte meinte die Polizeibeamten, nicht die Mitarbeiter der Verwaltung,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref31\">[31]<\/a> Gemeindeverordneter Hermann Hegermann\/Lange-Hegermann, Gemeindeverordneter seit 1912, war der Organisator des b\u00fcrgerlichen Widerstandes gegen die Revolution in Bottrop. Ma\u00dfgeblich mit ihm stritt f\u00fcr das Zentrum Redakteur Haugg, Bottroper Zentrums-Vorsitzender, Vorsitzender des Zentrumsvereins, in dessen Vorstand alle Geistlichen Bottrops mitarbeiteten, und Vorsitzender des B\u00fcrgervereins.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref32\">[32]<\/a> Vor dem Schwurgericht in Essen h\u00f6rte sich das beim Bottroper Gefangenenaufseher Stumpe ganz anders an: Nach der \u00dcbergabe verlangten bewaffnete Leute <em>die Auslieferung der Gefangenen, die ihnen durch den Richter sofort \u00fcbergeben wurden<\/em> (29.7.19).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref33\">[33]<\/a> Am 26.\/27.3. r\u00e4umte die BVZ ein, dass Ackermann eine Verwechselung mit Fulneczek gewesen war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref34\">[34]<\/a> Hoffmann, Rene\u00b4: Das Bottroper Rathausmassaker vom 19. Februar 1919, 2019; S. 11.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref35\">[35]<\/a> Hoffmann, Rene\u00b4: \u2026; S. 11. Hoffmann verschweigt systematisch die Zeugen, die nur von einem oder gar keinem Toten durch die Kolben-Torturen sprechen; die Quellen, die ihm genehm sind, \u00fcbernimmt er dann allerdings v\u00f6llig unkritisch<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref36\">[36]<\/a> Die vier Bergarbeiterverb\u00e4nde: Verband der Bergarbeiter Deutschlands, Gewerkverein christlicher Bergarbeiter, Gewerkverein H(irsch).-D(dunker)., Abteilung Bergarbeiter, Polnische Berufsvereinigung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref37\">[37]<\/a> Die erste freie, gleiche und geheime Kommunalwahl fand in Bottrop am 9.3.1919 statt. Ernst Ender war einer der vier Gemeindevertreter der USPD. Insgesamt gab es 54 Stadtverordnete, von denen das Zentrum 24, die Polen-Partei 17, die MSPD 6 und DVP und DDP zusammen 3 stellten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref38\">[38]<\/a> Bericht des Westf\u00e4lischen Freiwilligen-Korps Lichtschlag \u2026 vom 13.12.1919; Stadtarchiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref39\">[39]<\/a> 1. Jb. der Stadt Bottrop, 1919\/20; S. 101 \u2013 103.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref40\">[40]<\/a> Schulze-Pfaelzer, Gerhard: Von Spa nach Weimar, Berlin 1929.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref41\">[41]<\/a> Schulze-Pfaelzer: \u2026; S. 273, meinte vermutlich den Streikbeschluss\/Streikbeginn vom 17.2.1919.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref42\">[42]<\/a> Der amtliche Bericht des Polizeidezernenten von Recklinghausen Land an den Regierungspr\u00e4sidenten (Drucksache 3228): <em>30 Personen, \u2026, wurden in rohester Weise mit Es\u017fen\u017ftangen und Kn\u00fcppeln niedergeschlagen<\/em>. (<em>Bericht des Untersuchungsausschuses<\/em> \u2026 an die Verfassunggebende Preu\u00dfische Landesversammlung, Drucksache 3228).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref43\">[43]<\/a> Hoffmann, Rene\u00b4: \u2026; S. 10, h\u00e4lt Schulze-Pfaelzers <em>Darstellungen<\/em> f\u00fcr <em>bemerkenswert ausgewogen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref44\">[44]<\/a> Reininghaus, Wilfried: Die Revolution von 1918\/19 in Westfalen Lippe als Forschungsproblem, M\u00fcnster 2016; S. 61\/62.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref45\">[45]<\/a> Laut Polizeiinspektion wurden vier Polizeibeamte get\u00f6tet &#8211; einer davon vor der Kapitulation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref46\">[46]<\/a> Zeuge Polizeikommissar Ho\u00dfe im Schwurgerichtsprozess erkl\u00e4rte die Machtbefugnisse in Sachen Ultimatum: <em>Beigeordneter oder Polizeikommissar<\/em> &#8211; <em>in Absprache mit Soldatenrat<\/em>. Selbst das 1. Jahrbuch, S. 7, nennt die Einlassungen des Beigeordneten Dr. Brinkmann <em>\u2026 Rechtfertigungsrede<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref47\">[47]<\/a> Eine besonders perfide, Interpretation dieser Bedingungen gibt Hoffmann, Rene\u00b4: \u2026; S. 5. Er deutet die Revolution von 1918\/19 kurzerhand als <em>gewaltsame Umsturzbestrebungen \u2026 mancherorts auf eigene Rechnung operierender Verbrecherbanden<\/em>, \u2026 <em>die vorrangig Luxusartikel zu Hehlerzwecken gestohlen oder gar gelagerte Lebensmittel vernichtet<\/em> haben, um so <em>schneller weitere Massenradikalisierung herbeizuf\u00fchren<\/em>, und damit auch noch die <em>Hungerblockade der englischen Sieger <\/em>unterst\u00fctzten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref48\">[48]<\/a> Kommissar Breuer sagte vor dem Schwurgericht in Essen, es seien 700.000 Geb\u00e4ude- und 800.000 andere Sch\u00e4den entstanden. Welche Sch\u00e4den Pl\u00fcnderung und Raub verursacht hatten, sagte er nicht (6.8.19).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref49\">[49]<\/a> Am 29.4. beriet der Gemeinderat \u00fcber die Entsch\u00e4digung der <em>Tumultsch\u00e4den<\/em>; er meinte damit die den Rathaus-Beamten abhandengekommenen pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nde und Geldbetr\u00e4ge (54.000 Mark). Ein Beamter, der ein Maschinengewehr bedient hatte, erinnerte sich, dass ihm nach dem Herausklettern aus dem Kellerfenster 73,04 Mark abgenommen wurden (25.2.19). Damals eine sehr gro\u00dfe Summe \u2013 in den Taschen eines Verteidigers des Rathauses.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref50\">[50]<\/a> Der Polizeidezernent Recklinghausen-Land schrieb es dem Regierungspr\u00e4sidenten &#8211; und so gelangte es in die Drucksachen der Verfassunggebenden Preu\u00dfischen Landesversammlung (Drucksache 3228): <em>Die Spartakisten pl\u00fcnderten hierauf das Amtshaus vollst\u00e4ndig aus<\/em> (S. 5612).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref51\">[51]<\/a> 40 Flaschen Kognak im Hotel Mostert beschlagnahmt, ausgetrunken (8.8.19).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref52\">[52]<\/a> Auf Prosper sollen Waren f\u00fcr 58.000 Mark gestolen worden sein (27.8.19).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref53\">[53]<\/a> Bucksteeg, Josef: \u2026; S. 42.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref54\">[54]<\/a> Bucksteeg, Josef: \u2026; S. 26\/27.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref55\">[55]<\/a> Die Sonnecke -Agentur belieferte <em>auch ausl\u00e4ndische Nachrichtenagenturen mit aktuellem Fotomaterial von Ereignissen und Personen des Zeitgeschehens<\/em>; sie<em> besch\u00e4ftigte mehrere namhafte Pressefotografen <\/em>(wikipedia). Am 24.2. erschienen in einigen Zeitungen der Umgebung Bottrops gleichlautende Meldungen \u00fcber Verhaftung und Tod Fulneczeks, der in allen <em>Fuldzennek<\/em> hie\u00df, am 25.\/26.2 sogar in Zeitungen der USA (Aydin, Sahin: Alois Fulneczek, Eine Dokumentation, 2015). Das l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass die Sennecke-Agentur die Quelle der Meldung war, die ihre Angaben von Lichtschlag hatte, die auch die BVZ in ihrem Bericht spiegelte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref56\">[56]<\/a> Spethmann, Hans: Zw\u00f6lf Jahre Ruhrbergbau 1914 bis 1925; S. 223.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref57\">[57]<\/a> Hoffmann, Rene\u00b4: Ungekl\u00e4rt: Tod im Gerichtsgef\u00e4ngnis, WAZ Bottroper Teil vom 21.2.2019. Die WAZ ver\u00f6ffentlichte drei je halbseitige Beitr\u00e4ge Hoffmanns (19.2., 21.2., 26.2.) \u2013 die \u00dcberschriften sind wohl von der Zeitung getextet worden. Abgeschlossen wurde die Trilogie mit einem Bericht \u00fcber die Kontroverse, die Hoffmanns Vortrag zum Thema <em>100 Jahre Novemberrevolution \u2026<\/em> f\u00fcr die Historische Kommission f\u00fcr Westfalen am 10. Mai 2019 in Bottrop hervorgerufen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref58\">[58]<\/a> Die BVZ gibt keinen Hinweis auf die erste Verhaftung: Zwischen dem Einmarsch der Lichtschlagtruppe und dem Tod Fulneczeks vergingen maximal 3,5 Stunden \u2013 zu wenig Zeit f\u00fcr zwei Verhaftungen. Dass die erste w\u00e4hrend der Herrschaft der Spartakisten stattfand, ist eher unwahrscheinlich; sie muss darum vor dem 19.2. gelegen haben, kann also mit den Ereignissen am Abend des 19.2. nichts zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref59\">[59]<\/a> Westf\u00e4lisches Freiwilligen-Korps Lichtschlag: Bericht \u00fcber Unterkunft und Kampft\u00e4tigkeit des Korps vom 14.12.18 \u2013 1.10.19, M\u00fcnster, den 13.12.19; S. 19. Stadtarchiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref60\">[60]<\/a> Abgedruckt in Abelshauser\/Himmelmann: Die Revolution in Rheinland und Westfalen, 1988; S. 61 \u2013 85. Die Verhandlungen fanden am 21., 22. und 27.2.1919 in M\u00fcnster statt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref61\">[61]<\/a> Mahnken, Heinrich: Der erste Hammerschlag in Salomon, Ernst: Das Buch vom deutschen Freikorpsk\u00e4mpfer, 1928; S. 81-86.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref62\">[62]<\/a> In der schon wiederholt zitierten Drucksache 3228 (S. 5613): <em>Auslieferung der R\u00e4delsf\u00fchrer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref63\">[63]<\/a> Ob Ackermann auch hier eine Verwechselung mit Fulneczek war, ist nicht bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref64\">[64]<\/a> Der Abbruch des Generalstreiks war eine der Bedingungen der Waffenstillstandsverhandlungen. Die Truppen der Aufst\u00e4ndischen sollten zur\u00fcckgezogen werden wie auch die Regierungstruppen. Von Watter dachte aber gar nicht daran, die Vereinbarungen zu halten, sondern verlangte am 22.2. erst die Abgabe aller Waffen der Aufst\u00e4ndischen; au\u00dferdem teilte er mit, dass seine Truppen in jedem Fall am 23.2. in Bottrop einmarschieren und auch Buer besetzen w\u00fcrden. Trotzdem behaupteten er und die Presse, die Aufst\u00e4ndischen h\u00e4tten die Vereinbarungen gebrochen. Der Bericht des Untersuchungsausschusses macht zudem klar, dass die Waffensillstandsverhandlungen nur dazu dienten, Zeit zu gewinnen, weil das Generalkommando sich am 19.2. noch nicht zu einem weiteren Kampf in der Lage sah (S. 5613).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref65\">[65]<\/a> Hoffmann, Rene: \u2026; S. 14. Diese Rede ist der zeitlich erste Auftritt Fulneczeks beim Autor; dass Fulneczek w\u00e4hrend des Kampfes im Rathaus war, wei\u00df\/erw\u00e4hnt Hoffmann nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref66\">[66]<\/a> Das ist ihm so wichtig, dass er erst den Tod Fulneczeks durch Erschie\u00dfen eines Lichtschlagers in Notwehr beweist, dann aber <em>Lynchjustiz<\/em> durch <em>einige der schwer traumatisierten<\/em> Bottroper Polizeibeamten <em>unbestreitbar nicht ausschlie\u00dfen<\/em> mag (S. 14, 15).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref67\">[67]<\/a> Abgedruckt in Drucksache 3228, S. 5613\/13.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref68\">[68]<\/a> Der Schwurgerichtsprozess in Essen n\u00e4herte sich der Zahl der Angreifer, <em>mehrere Hundert<\/em>, in drei Schritten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">1. Die Angeklagten: <em>Eine gro\u00dfe Anzahl der Aufr\u00fchrer wurde festgenommen<\/em> (18.7.19), n\u00e4mlich 308. Die Differenz zwischen <em>gro\u00dfe Anzahl<\/em> und <em>alle<\/em> m\u00fcsste schon 40% betragen, wenn es 500 Aufr\u00fchrer sein sollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">2. Die Angreifer: Das Gericht versuchte festzustellen, wieviele Angreifer aus den St\u00e4dten herangef\u00fchrt worden sind: 400; davon sind nach den Zeugenaussagen 108 Mann erst nach der Kapitulation eingetroffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">3. Die Versorgten: Ein Zeuge wusste, dass 500 Spartakisten im evangelischen Gemeindehaus und Kolpinghaus untergebracht worden waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref69\">[69]<\/a> Veelkens Schreiben vom 16.6.1919, abgedruckt <a>in Drucksache 3228 <\/a>\u2026; S. 5616.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref70\">[70]<\/a> Kivelips <em>Sicherheitswehr<\/em> vor dem Essener Gericht und die Polizei aus dem 1. Jb.; S. 101.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref71\">[71]<\/a> 1. Jb.; S. 102.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref72\">[72]<\/a> Was auf dem Weg von Bottrop Mitte bis Sterkrade Mitte, immerhin 8-10 km, wirklich passiert ist, kann man heute nicht mehr zweifelsfrei ermitteln. Der\/Die Leser*in darf &#8211; auf Nuancen achtend \u2013 selbst urteilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref73\">[73]<\/a> Professor Schwarz hatte bei seiner Philippika \u00fcber das religionslose Kind allerdings nicht den Rathaussturm, sondern die Trennung von Kirche und Staat und den Religionsunterricht in der Volksschule im Sinn (23.9.19).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref74\">[74]<\/a> Dem Streik der Berarbeiter schlossen sich andere an; er dauerte fast einen Monat, obwohl die Streikenden keinerlei finanzielle Unterst\u00fctzung bekamen und die Lichtschlagtruppe am 15.4. die gesamte Streikkonferenz des Ruhrbergbaus (etwa 400 Mann) nach Beschie\u00dfen mit Maschinengewehren und Kanonen gefangennahm, <em>einige mehr oder weniger schwer verwundet <\/em>(16.4.19).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rudolf Isfort (4.2020) PDF-Download Aus den Tiefen der H\u00f6lle \u2026 oder Der Bottroper Rathaussturm 1. Bottrop 1918\/19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Um 1850 hatte Bottrop 3.200, 1919 72.790 Einwohner. Die Verhei\u00dfung auf Arbeit hatte zahlloses Volk \u2026 besonders aus dem Osten angelockt und aus der kleinen l\u00e4ndlichen Gemeinde in unglaublich kurzer Zeit \u2026 eine industrielle Gro\u00dfstadt gemacht.[1] Die Stadt &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/r-isfort.de\/?page_id=642\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eAus den Tiefen der H\u00f6lle &#8211; oder der Bottroper Rathaussturm 1919\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/r-isfort.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/642"}],"collection":[{"href":"http:\/\/r-isfort.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/r-isfort.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/r-isfort.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/r-isfort.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=642"}],"version-history":[{"count":20,"href":"http:\/\/r-isfort.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/642\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":700,"href":"http:\/\/r-isfort.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/642\/revisions\/700"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/r-isfort.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=642"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}