{"id":592,"date":"2020-12-05T15:45:23","date_gmt":"2020-12-05T15:45:23","guid":{"rendered":"http:\/\/r-isfort.de\/?page_id=592"},"modified":"2020-12-07T16:21:53","modified_gmt":"2020-12-07T16:21:53","slug":"sozialismus-oder-buergerliche-mehrheit-die-bvz-und-die-dolchstosslegende","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/r-isfort.de\/?page_id=592","title":{"rendered":"Sozialismus oder b\u00fcrgerliche Mehrheit &#8211; die BVZ und die Dolchsto\u00dflegende"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table is-style-regular\"><table><tbody><tr><td>Rudolf Isfort [10.2020]<\/td><td>PDF-<a href=\"http:\/\/r-isfort.de\/?attachment_id=630\">Download<\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\">Mit Dolchsto\u00dflegende\/-l\u00fcge bezeichnen Historiker die Behauptung, der Erste Weltkrieg sei f\u00fcr das Deutsche Reich nicht durch den milit\u00e4rischen Untergang, sondern durch politische Machenschaften der Heimat verloren worden: Die Heimat ist dem Heer in den R\u00fccken gefallen. Hindenburg machte das Wort Dolchsto\u00df (<em>von hinten erdolcht<\/em>) am 18.11.1919 vor einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum g\u00e4ngigen Topos &#8211; die Vorstellung Dolchsto\u00df aber war Gemeingut des B\u00fcrgertums.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bottroper Volkszeitung (BVZ) brachte es auf den Punkt: entweder <em>eine sozialistische oder b\u00fcrgerliche Mehrheit <\/em>(9.12.18).<a href=\"#_edn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> In Bottrop bestanden die b\u00fcrgerlichen Parteien 1918\/19 nach dieser Entweder \u2013 Oder &#8211; Einteilung aus dem Zentrum und der Polen-Partei. Die BVZ musste es wissen, denn sie war nach eigenem Selbstverst\u00e4ndnis ein Zentrumsblatt, also eine Zeitung des politischen Katholizismus. 1918\/19 war Haugg ihr Schriftleiter.<a href=\"#_edn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a><br><br>Der A&amp;S-Rat <em>\u00fcbernimmt die Exekutive<\/em>.<sup><a href=\"#_edn3\">[3]<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem es sich vom Schock der Revolution erholt hatte, die am 9.11.1918 aus Essen nach Bottrop gebracht worden war, versuchte das Bottroper B\u00fcrgertum, die \u00f6rtliche Revolution zu beenden durch Unterwanderung der revolution\u00e4ren Strukturen und \u2013 mit langfristiger Perspektive &#8211; durch die Ausrichtung aller Kr\u00e4fte auf die bevorstehende Wahl zur konstituierenden Nationalversammlung, als deren Ergebnis die BVZ eine b\u00fcrgerliche Mehrheit erwartete (9.12.18)<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00dcbernahme der neuen revolution\u00e4ren Institutionen machte der Bottroper A&amp;S-Rat, der sich am 16.11 auf einer B\u00fcrgerversammlung f\u00fcr die Revolution geradezu entschuldigt hatte (18.11.18),<a href=\"#_edn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> dem B\u00fcrgertum besonders leicht. Am 11.11. wurde die Bev\u00f6lkerung in einem Aufruf in der Bottroper Volkszeitung dar\u00fcber informiert, dass <em>der Arbeiter- und Soldatenrat<\/em>, die<em> organisierte Arbeiterschaft, die <\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_1.png\" alt=\"\" width=\"337\" height=\"273\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>Amtsverwaltung und die Gemeindevertretung<\/em> einen <em>Vertrauensausschuss<\/em> gebildet haben, der <em>alle kommenden Schwierigkeiten der n\u00e4chsten Zeit l\u00f6sen<\/em> sollte. H\u00f6rte sich das noch nach einer neuen, revolution\u00e4ren Gemeindeleitung an, zeigte die Gemeinderatssitzung vom 10.11., dass nichts dergleichen beabsichtigt war. Der Vertrauensausschuss, parit\u00e4tisch <em>aus Vertretern der beiden Gewerkschaftsrichtungen gebildet<\/em>, sollte nur noch eng mit dem Gemeinderat zusammenarbeiten,<a href=\"#_edn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> die Amtsverwaltung aber wurde gar nicht mehr ber\u00fchrt: Der A&amp;S-Rat belie\u00df alle Gemeinderessorts, wie <em>Polizei und Lebensmittelverteilung<\/em> in den H\u00e4nden der Verwaltung, die den A&amp;S-Rat <em>vor allem in seinen Bestrebungen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Sicherheit nach Kr\u00e4ften zu unterst\u00fctzen <\/em>versprach. Kurz darauf war der neue B\u00fcrgerausschuss durch drei Vertreter im A&amp;S-Rat <em>beratend<\/em> (18.11.18) und durch sechs im <em>Vertrauensausschuss<\/em> mit <em>Sitz und Stimme<\/em> vertreten (25.11.18). Am 30.11.vereinbarten A&amp;S-Rat und Gemeinderat, dass sich Gemeinderat und Vertrauensausschuss in allen wichtigen Fragen <em>vorberaten<\/em>, der A&amp;S-Rat sich mit zwei stimmlosen Vertretern an Gemeinderatssitzungen beteiligen sollte (30.11.18). Ganz unspektakul\u00e4r hatte sich das B\u00fcrgertum die demokratische politische Mehrheit in Bottrops Machtstruktur zur\u00fcckgeholt.<a href=\"#_edn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a><br><br>Auch faktisch war der A&amp;S-Rat kaum ein revolution\u00e4rer Machtfaktor. Mit einem neu zu bildenden <em>Sicherheitsausschuss,<\/em><a href=\"#_edn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> dem<em> die Aufrechterhaltung der Ordnung auf den Zechen und die Unterst\u00fctzung der polizeilichen Institute in den Stra\u00dfen obliegt<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_2_1.png\" alt=\"\" width=\"403\" height=\"112\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p> (11.11.18), machte es sich der A&amp;S-Rat zu einer\/seiner Hauptaufgabe, Streiks von Bottrops Zechen abzuwenden.<a href=\"#_edn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Der Sicherheitsdienst\/-ausschuss wurden zu einem Drittel von den Zechen bezahlt, wie auch der A&amp;S-Rat. Kurz darauf entstanden <em>Zechenschutzwehren<\/em>, die sich aus den organisierten Arbeitern der betreffenden Sch\u00e4chte bildeten, von ihnen auch entlohnt aber <em>vom A&amp;S-Rat<\/em> <em>kontrolliert<\/em> wurden (2.1.19). Kurzzeitig, w\u00e4hrend in ihre Heimat ziehende Heeresteile durch Bottrop kamen, sorgte ein <em>milit\u00e4rischer Polizeidienst<\/em>, der bis zu 90 entlassene Soldaten umfasste (30.11.18), auf Bottrops Stra\u00dfen f\u00fcr Ordnung. Die Polizei unterstand nicht dem A&amp;S-Rat, umfasste 85 Beamte und Hilfsbeamte und rechnete die Sicherheitswehr \u2013 Anfang Februar 104 Mann \u2013 selbstverst\u00e4ndlich zu ihren Leuten.<a href=\"#_edn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Erste Weltkrieg \u2013 <em>die \u00dcbermacht der Feinde<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Reichskanzler von Bethmann-Hollweg musste schon am 2.12.1914 im Reichstag \u00fcberrascht zugestehen, dass sich das Deutsche Reich in dem mutwillig zugelassenen Krieg (28.11.18) von Anfang an einer <em>ungeheuren \u00dcbermacht der Feinde <\/em>gegen\u00fcbersah. Diese \u00dcbermacht wurde durch die <em>unbegreifliche Politik im Laufe des Krieges immer noch vermehrt<\/em>.<a href=\"#_edn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> Es war geradezu <em>ein unbeschreiblich gro\u00dfes Wunder [angesichts] der ungeheuren \u00dcbermacht seiner Gegner<\/em> als <em>m\u00e4chtiger Sieger<\/em> dazustehen.<a href=\"#_edn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die deutsche \u00f6ffentliche Kriegsdeutung blendete die realen Machtverh\u00e4ltnisse vollst\u00e4ndig aus.<a href=\"#_edn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> Nur so konnte das <em>Friedensangebot des Vierbundes<\/em> (13.12.16) an die Entente<a href=\"#_edn13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> von der deutschen \u00d6ffentlichkeit als gro\u00dfm\u00fctige Geste des <em>Siegers auf allen Fronten<\/em> gedeutet werden.<a href=\"#_edn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> Die Antwort der Feinde (21.12.16\/2.1.17), <em>das \u201eNein\u201c der Verblendeten<\/em> (5.1.17),<a href=\"#_edn15\"><sup>[15]<\/sup><\/a>&nbsp; bestand in der Versicherung auf ein Kriegsende, durch das die <em>preu\u00dfische Milit\u00e4rherrschaft \u2026<\/em> <em>niemals wieder den Frieden in Europa<\/em> w\u00fcrde st\u00f6ren k\u00f6nnen (21.12.16). Au\u00dferdem teilten die USA der <em>kaiserlich deutschen Regierung<\/em> am 21.12.1916 mit, dass sie <em>offenkundig gen\u00f6tigt w\u00e4ren, Bestimmungen \u00fcber den jetzt m\u00f6glichen Schutz ihrer Interessen zu treffen, falls der Krieg fortdauern sollte<\/em> (27.12.16).&nbsp; Inzwischen mit dem Deutschen Reich im Kriegszustand, lie\u00df <em>Wilsons Note an den Papst<\/em> (1.9.17) keine zwei Deutungen mehr zu: Die USA <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_2_2.png\" alt=\"\" width=\"441\" height=\"81\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>sahen das Deutsche Reich als <em>umfangreiche milit\u00e4rische Gemeinschaft<\/em>, die den Krieg begonnen hatte, um <em>die Welt ihrer Macht zu unterwerfen<\/em>: Die USA w\u00fcrden nur den Sieg \u00fcber Kaiser-Deutschland akzeptieren (1.9.17).<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00f6ffentliche Reaktion auf Wilson und die Entente war einhellig. F\u00fcr die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands versicherte Carl Legien dem Reichskanzler, d<em>ie deutsche Arbeiterschaft zum weiteren Kampf bereit<\/em> (22.1.17). Kurz darauf hielt eine Reichstagsmehrheit<a href=\"#_edn16\"><sup>[16]<\/sup><\/a> <em>den Augenblick f\u00fcr gekommen, endlich zum Frieden zu mahnen, <\/em>verband damit aber <em>das heilige Gel\u00f6bnis, [dass] das ganze deutsche Volk aufflammen [werde] in gerechtem Zorne, [wenn]&#8230; die dargebotene Hand zur\u00fcckgewiesen <\/em>werde.<a href=\"#_edn17\"><sup>[17]<\/sup><\/a> Die f\u00fcr die Bottroper Bev\u00f6lkerung &#8211; zu 77% katholisch &#8211; besonders wichtigen deutschen Bisch\u00f6fe standen <em>mit unersch\u00fctterlicher Treue und opferfreudiger Hingebung \u2026 zu unseren Herrschern von Gottes Gnaden, dem Kaiser und den Landesf\u00fcrsten<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_3_1.png\" alt=\"\" width=\"319\" height=\"96\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p> Die, die Anderes wollen, <em>ziehen sich selber die Verdammnis zu<\/em>.<a href=\"#_edn18\"><sup>[18]<\/sup><\/a><br>Die gesellschaftlichen Eliten hatten sich von der Lebenswirklichkeit insbesondere der Arbeiterfamilien v\u00f6llig abgeschottet. Lediglich Hugo Haase, USPD, sah voraus, dass, <em>wenn die Kriegspolitik \u2026 fortgesetzt wird, der Zeitpunkt nicht fern sein wird, wo unser Volk verblutet ist und an Ersch\u00f6pfung zugrunde geht.<\/em><a href=\"#_edn19\"><sup>[19]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Reichskanzler Michaelis h\u00f6rte am 19.7.1917 im Reichstag d<em>as E\u00edngreifen von Amerika ohne Bedenken<\/em>. Kurz darauf schloss Russland mit den Mittelm\u00e4chten einen Sonderfrieden.<a href=\"#_edn20\"><sup>[20]<\/sup><\/a> Vom Zweifrontenkrieg befreit, begann die Kaiserliche Armee am 21.3.1918 die <em>gro\u00dfe Schlacht im Westen<\/em> (26.3.18), die <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_3_2.png\" alt=\"\" width=\"356\" height=\"107\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>aber abgeschlossen wurde durch m\u00e4chtige Gegenschl\u00e4ge der Truppen der Entente, denen die deutschen Soldaten nichts mehr entgegenzusetzten hatten. Der deutsche R\u00fcckzug (7.8.18) und die augenf\u00e4llige Sprachlosigkeit der OHL<a href=\"#_edn21\"><sup>[21<\/sup>]<\/a> am 7., 8. und 9.8.1918 f\u00fchrten zu einer <em>augenblicklich gedr\u00fcckten Stimmung im Volk<\/em>, der die BVZ ein <em>Haltet aus!<\/em> entgegensetzte, verbunden mit der Gewissheit, dass <em>Hindenburg und Ludendorff unser uneingeschr\u00e4nktes Vertrauen verdienen<\/em>. Allerdings f\u00fcrchtete die Zeitung, dass durch wenige <em>N\u00f6rgler und Miesmacher<\/em> die <em>innere Front geradezu gef\u00e4hrdet<\/em> werde (15.8.18).<a href=\"#_edn22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> Der <em>schwarze Tag des deutschen Heeres<\/em>, so Ludendorff sp\u00e4ter \u00fcber den 8.August, veranlasste die OHL am 14.8.1918 in Spa, den Krieg f\u00fcr aussichtslos zu erkl\u00e4ren.<a href=\"#_edn23\"><sup>[23]<\/sup><\/a> Am 28.\/29.9. forderte sie die Reichsregierung zu sofortigen Waffenstillstandsverhandlungen auf,<a href=\"#_edn24\"><sup>[24]<\/sup><\/a> ultimativ am 1.\/3.10, verbunden mit der Forderung einer Aufnahme der Mehrheitsparteien in die Regierung. Daraufhin ernannte der Kaiser am 3.10. Max von Baden zum Reichskanzler. Der bildet am gleichen Tag eine neue Regierung, <em>berief \u2026 die F\u00fchrer der Mehrheitsparteien zu seinen unmittelbaren Ratgebern<\/em> (7.10.18) und bat am 4.\/5.10. Wilson um einen Waffenstillstand zur<em> Herstellung des Friedens<\/em>. Formal erfolgte die Bitte um Waffenstillstandsverhandlungen am 21.10.1918. Am 11.11.1918 <em>schwiegen die<\/em> <em>Waffen<\/em>: Die deutsche Regierung hatte die Waffenstillstandsbedingungen bedingungslos angenommen (12.11.18).<a href=\"#_edn25\"><sup>[25]<\/sup><\/a> Reichskanzler war inzwischen Friedrich Ebert, dem Max von Baden am 9.11. <em>die Wahrnehmung der Gesch\u00e4fte des Reichskanzlers \u00fcbertragen<\/em> hatte (11.11.18): Die Sozialdemokraten hatten ihren Verbleib in der Regierung an die Abdankung des Kaisers gekn\u00fcpft (9.11.18).<a href=\"#_edn26\"><sup>[26]<\/sup><\/a> &nbsp;Die Regierung Ebert nahm die Waffenstillstandsbedingungen an. Fehrenbach, sp\u00e4terer Reichskanzler, \u00fcber die entscheidenden Minuten im <em>Kanzlerhause<\/em>: Am 10 November war der ber\u00fchmte Sonntag zur Entgegennahme der Waffenstillstandsbedingungen. Im Raume waren Ebert, seine Staatssekret\u00e4re Scheidemann und Landsberg, die M\u00e4nner der alten Regierung und ich. Solf<a href=\"#_edn27\"><sup>[27]<\/sup><\/a> verlas die<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_4_1.png\" alt=\"\" width=\"374\" height=\"146\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p> Waffenstillstandsbedingungen. Dann das Telegramm der deutschen Waffenstillstandskommission \u2013 keine Verhandlungen: annehmen oder ablehnen.<a href=\"#_edn28\"><sup>[28]<\/sup><\/a> Dann Hindenburgs Telegramm: Sofort annehmen; er k\u00f6nne die Armee nicht mehr beieinander halten, sie laufe ihm schon jetzt davon. Sonst sei er gen\u00f6tigt<em>, mit der ganzen Armeee zu kapitulieren<\/em>.<br>Ebert: <em>Wer ist dagegen<\/em>?<br>Es folgte ein <em>furchtbares Schweigen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ursachen des milit\u00e4rischen Zusammenbruchs<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schock war ungeheuer,<a href=\"#_edn29\"><sup>[29]<\/sup><\/a> als am 1.\/3.10.1918 die OHL den Reichstagsfraktionen mitteilte, der Krieg sei nicht mehr zu gewinnen, ein Waffenstillstand unverz\u00fcglich einzuleiten \u2013 und schon bald wurde nach den<em> Ursachen des milit\u00e4rischen Zusammenbruchs<\/em> gefragt (22.11.18). F\u00fcr die Alldeutschen<a href=\"#_edn30\"><sup>[30]<\/sup><\/a> war klar, die von den Parteien gen\u00e4hrte <em>Illusion eines Verst\u00e4ndigungsfriedens <\/em>hatte in <em>jahrelanger Arbeit den Siegeswillen get\u00f6tet<\/em>, so dass die <em>Heimatfront<\/em> nicht mehr geschlossen hinter der Front gestanden habe \u2013 darum der Zusammenbruch.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_4_2.png\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"121\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><br>Die Analyse der BVZ vom 22.11.1918 kam zu einem ganz anderen Ergebnis. Sie verwies auf <em>Eingeweihte<\/em>, die mit <em>gro\u00dfer Sorge die Entwicklung<\/em> an der Front verfolgt und erkannt h\u00e4tten, dass sich unsere milit\u00e4rischen F\u00fchrer Ziele<a href=\"#_edn31\"><sup>[31]<\/sup><\/a> gesetzt hatten, <em>die bei den vorhandenen Mitteln unerreichbar bleiben mussten<\/em>. Auch in der Truppe waren sich<em> die F\u00fchrer<\/em> <em>in vorderster Linie und die Mannschaften \u2026 l\u00e4ngst dar\u00fcber klar<\/em>, dass der <em>milit\u00e4rische Sieg nicht mehr gewonnen werden<\/em> k\u00f6nne. Ludendorff aber <em>trieb die Truppen zu neuen Schlachten vor, verbrauchte die Reserven an Menschen und Material<\/em> und damit <em>die Moral der Truppe<\/em>.&nbsp; Unter diesem <em>Eindruck pl\u00f6tzlicher Ern\u00fcchterung<\/em> kam Ludendorff nach Berlin, <em>um das in seinen Folgen so verheerend wirkende Waffenstillstandsangebot durchzudr\u00fccken<\/em> (22.11.18). Eine Woche nach diesem <em>Verzweiflungsschritt<\/em> musste Max von Baden dann von den <em>milit\u00e4rischen Autorit\u00e4ten<\/em> h\u00f6ren, dass sie sich <em>am 1. Oktober \u00fcber die Lage an der Front get\u00e4uscht<\/em> h\u00e4tten. Darum <em>muss heute rundheraus erkl\u00e4rt werden, dass dieses Waffenstillstandsangebot der Beginn des inneren Zusammenbruchs gewesen ist, und dass diejenigen, welche ohne zwingenden Grund diesen Waffenstillstand bef\u00fcrworteten, die eigentlich Schuldigen an den Dingen sind, die sich jetzt in Deutschland entwickelt haben<\/em>.<a href=\"#_edn32\"><sup>[32]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_4_3.png\" alt=\"\" width=\"410\" height=\"106\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><br>\u00dcber die <em>Heimatfront <\/em>res\u00fcmierte die Zeitung, wobei sie auch hier mehr ver- als aufdeckte: <em>Die Moral des Volkes, das Vertrauen zum Staate, die Geschlossenheit im Innern \u2026 hat durch die schrankenlose Gewinnsucht und den himmelschreienden Wucher im Gesch\u00e4ftsleben aufs schwerste gelitten<\/em>, \u2026 wie auch <em>die Kampffreudigkeit und das Vertrauen unserer wackeren K\u00e4mpfer<\/em> (21.10.18).<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die Dolchsto\u00dfl\u00fcge im Bottroper Wahlkampf<\/p>\n\n\n\n<p>Die BVZ-\/Zentrums-Analyse konnte den Waffenstillstandsbedingungen nicht standhalten, die USA-Pr\u00e4sident Wilson am 23.10. \u00fcber die Schweizer Botschaft der deutschen Regierung zugehen lie\u00df,<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_5_1.png\" alt=\"\" width=\"376\" height=\"96\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p> und in denen die USA und ihre Verb\u00fcndeten einen Waffenstillstand verlangten, der <em>die Wiederaufnahme der Feindlichkeiten von Seiten Deutschlands unm\u00f6glich machen<\/em> w\u00fcrde; au\u00dferdem k\u00f6nnten <em>die V\u00f6lker der Welt denjenigen nicht trauen, welche bisher die deutsche Politik beherrschten<\/em> (25.10.18). Am 5.11. pr\u00e4zisierte Wilson <em>die Bedingungen der Entente<\/em> und bestimmte, Marschall Foch wird die deutsche Regierung von den Waffenstillstandsbedingungen<em> in Kenntnis setzen<\/em> &#8211; also keine Verhandlungen (7.11.18). Damit war der Fall eingetreten, der, so Reichskanzler Max von Baden am 5.10. im Reichstag, <em>unsere Kr\u00e4fte verdoppeln<\/em> und einen <em>Endkampf auf Leben und Tod <\/em>notwendig machen w\u00fcrde (7.10.18). Passend, behaupteten die Heeresberichte, an der <em>Westfront werde das Gleichgewicht allm\u00e4hlich wieder hergestellt<\/em> (30.10.18). Ludendorff wollte pl\u00f6tzlich weiterk\u00e4mpfen (29.10.18).<a href=\"#_edn33\"><sup>[33]<\/sup><\/a> Am 24.10. bekam die Hochseeflotte den Befehl f\u00fcr die Entscheidungsschlacht gegen Gro\u00dfbritannien,<a href=\"#_edn34\"><sup>[34]<\/sup><\/a> aber die Matrosen einiger Schiffe weigerten sich am 29.10. auszulaufen \u2013 die Revolution begann.<br>Der milit\u00e4rische Zusammenbruch ohne finale Schlacht musste also anders erz\u00e4hlt werden, zumal die Feststellung, er sei durch den <em>Verzweiflungsschritt <\/em>Waffenstillstandsangebot eingeleitet worden und habe zu den <em>Dingen<\/em> gef\u00fchrt, <em>die sich jetzt in Deutschland<\/em> abspielen, den Sch\u00f6nheitsfehler aufwies, dass, wenn die Verantwortlichen nicht nur Ludendorff\/Hindenburg, sondern auch die Regierung Max von Baden w\u00e4ren, das Zentrum ebenfalls belastet w\u00fcrde. Darum reichte es nicht, die Zentrumsf\u00fchrer durch Hinweise auf ihre <em>milit\u00e4rische Geheimhaltungspflicht<\/em> und die <em>r\u00fccksichtslos ausge\u00fcbte Zensur<\/em>, aus jedweder Verantwortung zu entlassen, es mussten andere Gr\u00fcnde und Schuldige gefunden werden. Eigentlich war es ganz einfach, wie der f\u00fcr Bottrop zust\u00e4ndige Zentrums-Partei-Sekret\u00e4r erkannt hatte: Nicht durch einen <em>Weltirrtum und verrannten Machtstandpunkt wurde unser Volk in den Abgrund gezogen<\/em>, sondern die <em>Unabh\u00e4ngigen<\/em> (USPD) haben <em>Deutschland im entscheidenden Augenblick wehrlos <\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_5_2.png\" alt=\"\" width=\"348\" height=\"145\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>gemacht<\/em>. Sie hatten f\u00fcr den <em>Umsturz \u2026 die F\u00e4den l\u00e4ngst<\/em> gesponnen \u2013 in Kiel und K\u00f6ln schlugen sie dann zu.<a href=\"#_edn35\"><sup>[35]<\/sup><\/a> Der Landtagsabgeordnete Prof. Wildemann konkretisierte: <em>Schon vom 25. Januar ab wurde von sozialistischer Seite planm\u00e4\u00dfig der Umsturz im Heer betrieben<\/em>. Auch durch die dreit\u00e4gige St\u00f6rung des Eisenbahnverkehrs habe die Revolution Deutschland schwer geschadet (2.1.19). Beide Wahlredner konnten sich auf Hindenburg berufen, der am 21.11.1918 aus dem Gro\u00dfen Hauptquartier, inzwischen in Kassel, der Regierung Ebert telegraphiert hatte,<em> das deutsche Heer ist infolge der H\u00e4rte der Waffenstillstandsbedingungen und \u2026 der Ereignisse in der Heimat nicht in der Lage, den Kampf wiederaufzunehmen.<br><\/em>Auf der Boyer Versammlung katholischer Frauen wollte Prof. Weskamp, Dorsten, die Sozialdemokratie noch als Opfer der Revolution ansehen, als er rhetorisch fragte, <em>h\u00e4tte Deutschland nicht bessere Waffenstillstandsbedingungen aushandeln k\u00f6nnen ohne den Umsturz <\/em>(3.12.18)? Solche Skrupel hatte der Reichstagsabgeordnete Schiffer<a href=\"#_edn36\"><sup>[36]<\/sup><\/a> nicht; er \u00fcbertrug die <em>Schuld am Zusammenbruch<\/em> bedenkenlos der Sozialdemokratie. Die hatte n\u00e4mlich am 7.11. den <em>R\u00fccktritt des Kaisers in einem Augenblick gefordert, wo dieser R\u00fccktritt den Zerfall der \u00e4u\u00dferen und inneren Front zur Folge haben musste<\/em> (7.1.19).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufdeckung der <em>Gr\u00fcnde unseres Zusammenbruchs<\/em><a href=\"#_edn37\"><sup>[37]<\/sup><\/a> fehlte in keiner der zahlreichen Veranstaltungen vor den Wahlen 1919 (Nationalversammlung: 19.1.19, Gemeinderat: 19.3.19). Allerdings musste dabei immer bedacht werden, dass <em>unsere Helden<\/em> <em>\u2026 unbesiegt den Kampf aufgegeben <\/em>hatten (30.11.18). Die deutschen Bisch\u00f6fe<a href=\"#_edn38\"><sup>[38]<\/sup><\/a> begr\u00fc\u00dften die <em>heimkehrenden katholischen Krieger<\/em> empathisch mit <em>Ihr kehrt heim! Nicht als Besiegte!<\/em>,<a href=\"#_edn39\"><sup>[39]<\/sup><\/a> und verkn\u00fcpften die <em>schweren Zeiten<\/em>, die <em>die \u00dcbermacht des Feindes uns gebracht<\/em> hatten, mit denen, die <em>schwerer noch geworden sind, durch das, was ihr bei eurer Ankunft in der Heimat findet<\/em>. (9.12.18). Was bei den Bisch\u00f6fen nur zwischen den Zeilen, f\u00fcr die katholischen Zeitgenossen aber un\u00fcberh\u00f6rbar, mitschwang, verband der Generalsekret\u00e4r der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands, Adam Stegerwald, zu einem Gesamtbild, das sich nur noch vage an die historischen Fakten hielt: Die Sozialdemokratie hatte stets in grunds\u00e4tzlicher Opposition zum Staat gestanden, darum auch die <em>Abdankung des Kaisers gefordert, \u2026 damit die Zersetzung und Zuchtlosigkeit in das Heer <\/em>getragen und<em> trotzdem die Revolution nicht verhindern k\u00f6nnen<\/em>. Sie hat also den Kriegsausgang und in dessen Folge die Revolution und damit <em>unsere gegenw\u00e4rtige innenpolitische und zum Teil auch au\u00dfenpolitische Ohnmacht<\/em> zu verantworten (25.1.19).<\/p>\n\n\n\n<p>SPD, USPD und Spartakus\/KPD versuchten, dem b\u00fcrgerlichen Topos, den milit\u00e4rischen Zusammenbruch verschuldet zu haben, entgegenzutreten, hatten aber in Bottrop einen schweren Stand,<a href=\"#_edn40\"><sup>[40]<\/sup><\/a> obwohl die SPD sich von Anfang an von (Teilen) der Revolution distanzierte, sie mit milit\u00e4rischen Mitteln wie mit politischen Schlagworten bek\u00e4mpfte. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/r-isfort.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/S_6.png\" alt=\"\" width=\"343\" height=\"74\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Durch die Verunglimpfung der Revolution als Bolschewismus lieferte die MSPD sie den b\u00fcrgerlichen Parteien als Unber\u00fchrbare aus. Es half der MSPD &#8211; von der sich gro\u00dfe Teile der Arbeiterschaft daraufhin abwendeten &#8211; im b\u00fcrgerlichen Lager aber gar nicht: <em>Der Geist des<\/em> <em>Bolschewismus ist Geist von der Sozialdemokratie<\/em> (25.1.19). Es half aber auch dem Zentrum einige Jahre sp\u00e4ter nicht: Die Sozialdemokratie hatte <em>Deutschland verraten<\/em> und <em>der Schwarze dabei Schmiere gestanden<\/em>. Diesen beiden, der <em>roten<\/em> und der <em>schwarzen<\/em><a href=\"#_edn41\"><sup>[41]<\/sup><\/a> <em>Internationale, <\/em>sagte G\u00f6ring den unvers\u00f6hnlichen Kampf an;<a href=\"#_edn42\"><sup>[42]<\/sup><\/a> sie waren die Novemberverbrecher.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref1\">[1]<\/a> Bottroper Volkszeitung vom 9.12.1918: <em>Der Aufmarsch der Parteien<\/em> l\u00e4utete den Wahlkampf ein. F\u00fcr die BVZ standen sich 1919 bei der Wahl zur Nationalversammlung (19.1.) und der Kommunalwahl (9.3.) zwei Bl\u00f6cke gegen\u00fcber, die sozialistischen Parteien (<em>die Spartakusleute, die Unabh\u00e4ngigen und die Mehrheitssozialisten<\/em>) und die b\u00fcrgerlichen (<em>die demokratische Volkspartei, das Zentrum und die Deutschnationale Volkspartei<\/em>).<br>Zitate aus der Bottroper Volkszeitung werden es ab jetzt in der Kurzform (9.12.18) angegeben.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref2\">[2]<\/a> Als Michael Haugg 1916 Schriftleiter der Bottroper Volkszeitung wurde, hatte er schon <em>reiche Erfahrung als praktischer Lokalpolitiker<\/em> gesammelt (2.5.16). Er war gleichzeitig Parteivorsitzender des Bottroper Zentrums, verhandelte als Leiter des B\u00fcrgerausschusses mit dem Arbeiter- und Soldatenrat (A&amp;S-Rat), stand dem Bottroper Zentrumsverein vor, in dem alle Bottroper Geistlichen Beisitzer waren, und wurde Abgeordneter des Zentrums im ersten Gemeinderat nach der Revolution.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref3\">[3]<\/a> So unspektakul\u00e4r beschreiben die <em>Sitzungsberichte des Arbeiter- und Soldatenrates in Bottrop<\/em> (Stadtarchiv) den Ausbruch der Revolution in Bottrop am 9.11.1918.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref4\">[4]<\/a> Georg Wingold, Vorsitzender des Bottroper Arbeiter- und Soldatenrates, wollte verhindern, dass Essener Soldaten <em>sich auf dem Rathaus einschleichen w\u00fcrden<\/em>; meinte, dass der <em>Revolutionsstrom \u2026 nicht anders<\/em> zu kanalisieren w\u00e4re als mit denen einen A&amp;S-Rat zu bilden: <em>Wir mussten Ruhe schaffen<\/em>. Wingold hatte auch <em>aus den B\u00fcrgerlichen welche<\/em> f\u00fcr den A&amp;S-Rat <em>vorgemerkt, <\/em>musste davon aber noch absehen, weil zu bef\u00fcrchten war, dass das<em> Bild dadurch ein anderes Firmenschild bekommen w\u00fcrde<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref5\">[5]<\/a> Der Vertrauensausschuss bestand aus Gewerkschaftern (10 Alter Verband\/SPD-Gewerkschaften, 5 christliche, 5 polnische); der Gemeinderat aus 18 Bottroper B\u00fcrgern.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref6\">[6]<\/a> Das hatten schon am 11.11.1918 der A&amp;S-Rat und der Magistrat Recklinghausens \u2013 Bottrop geh\u00f6rte damals zum Kreis Recklinghausen \u2013 vereinbart, als sie sich darauf verst\u00e4ndigten, dass alle Beh\u00f6rden und alle Gesetze und Verordnungen beibehalten w\u00fcrden, der A&amp;S-Rat es aber als <em>seine Aufgabe betrachtet, die Durchf\u00fchrung dieser Bestimmungen im demokratischen Sinne zu \u00fcberwachen<\/em> (13.11.18).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref7\">[7]<\/a> Der Sicherheitsausschuss bestand aus 50 sozialdemokratischen, 25 christlichen und 25 polnischen Gewerkschaftsvertretern, wurde aber Anfang Dezember auf 24 Mann (12, 6, 6) reduziert.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref8\">[8]<\/a> Am 11.\/12.11. gelang das noch &#8211; aber <em>s<\/em><em>eit Freitag [13.12.] stehen die Belegschaften s\u00e4mtlicher Prospersch\u00e4chte im Ausstand<\/em> (16.12.18); Rheinbaben schloss sich an.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref9\">[9]<\/a> 1. Jahrbuch der Stadt Bottrop; S. 101\/2. Das hinderte den Beigeordneten Dr. Brinkmann aber nicht daran, dem A&amp;S-Rat die Verantwortung f\u00fcr die Verteidigung des Rathauses am 19.2.1919 (Rathaussturm) zu \u00fcberlassen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref10\">[10]<\/a> Philipp Scheidemann am 19.7.1917 im Reichstag, auf den Kriegseintritt (Februar\/April 1917) der USA anspielend.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref11\">[11]<\/a> BVZ vom 20.9.1917: Erzberger, Zentrum, auf einer Wahlveranstaltung in Biberach.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref12\">[12]<\/a> <em>Die kleine, an den asiatischen Kontinent angelehnte Halbinsel<\/em>, auf der das Deutsche Reich nur ein Staat unter mehreren war ((Michaelis im Reichstag:) 29.9.17), lie\u00df die realen geopolitischen Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr einen Moment aufblitzen, hatte aber keinen Einfluss auf die deutsche Politik, die, wie Mommsen, Wolfgang J.: Der Erste Weltkrieg, Fischer 2004; S. 79 \u2013 93 schreibt, an der<em> Kontinuit\u00e4t des Irrtums<\/em> festhielt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref13\">[13]<\/a> Den <em>Vierbund<\/em> bildeten das Deutsche Reich, \u00d6sterreich-Ungarn, Bulgarien und die T\u00fcrkei \u2013 auch Mittelm\u00e4chte genannt. Sie k\u00e4mpften gegen die Entente (England, Frankreich, Russland), die von Anfang an von den USA mit Waffen und Lebensmitteln unterst\u00fctzt wurde, und der sich im Kriegsverlauf viele andere Staaten anschlossen, z. B. Italien. Reichskanzler von Bethmann-Hollweg stellte das Friedensangebot am 12.12.1916 dem Reichstag vor.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref14\">[14]<\/a> Die BVZ am 29.12.1915 in einer<em> Rundschau \u00fcber das Kriegsjahr 1915<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref15\">[15]<\/a> Die Entente verwahrte sich auch ausdr\u00fccklich gegen die <em>doppelt unrichtige Behauptung<\/em> des Friedensangebots des Vierbundes, die Alliierten h\u00e4tten die <em>Verantwortung f\u00fcr den Krieg<\/em>(sausbruch) und die <em>Zentralm\u00e4chte seien die Sieger.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref16\">[16]<\/a> MSPD, Zentrum und FVP (Fortschrittliche Volkspartei).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref17\">[17]<\/a> Constantin Fehrenbach, Zentrum, Reichstagspr\u00e4sident ab 1918, sp\u00e4terer Reichskanzler, in der Reichstagsaussprache \u00fcber die Friedens-Resolution vom 19.7.1917 (Reichstags-Protokolle S. 3574)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref18\">[18]<\/a> BVZ vom 26.11.1917 \u2013 Allerheiligen Hirtenbrief der deutschen Bisch\u00f6fe<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref19\">[19]<\/a> Hugo Haase in der Reichstagsdebatte zur Friedensresolution am 19.7.1917.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref20\">[20]<\/a> Seit Dezember 1917 gab es einen Waffenstillstand; der Friede von Brest-Litowsk wurde am 3.3.1918 geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref21\">[21]<\/a> Die BVZ gab den (fast) t\u00e4glichen OHL-Tagesberichten auf der ersten Seite immer den besten Platz.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref22\">[22]<\/a> Angeblich sollen <em>Truppenmassen zum Feind \u00fcberlaufen<\/em> oder <em>halbe Kompanien sich bereitwillig gefangen geben <\/em>(5.10.18).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref23\">[23]<\/a> Die OHL erkl\u00e4rte dem Gro\u00dfen Hauptquartier, zu dem der deutsche und der \u00f6sterreichische Kaiser, hochrangige Vertreter der anderen Verb\u00fcndeten, der deutsche Reichskanzler, der Kriegsminister und viele ranghohe Milit\u00e4rs geh\u00f6rten, dass sie <em>die Zuversicht auf einen Endsieg nicht mehr bieten k\u00f6nne<\/em> (15.10.18).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref24\">[24]<\/a> Reichstagspr\u00e4sident Fehrenbach erinnerte sich daran:<em> Am 26. September wurde uns auch im Hauptausschuss vertraulich das<\/em> <em>Waffenstillstandsangebot Bulgariens mitgeteil<\/em>. <em>Ludendorf erkl\u00e4rte, dass man im Verlaufe von 48 Stunden ein Waffenstillstandsangebot abgeben m\u00fcsse. Damit war der Krieg verloren<\/em> (5.2.19).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref25\">[25]<\/a> Bereits am 14.9. bat \u00d6sterreich-Ungarn um Frieden; Bulgarien kapitulierte am 29.9., das Osmanische Reich am 30.10. \u2013 das Deutsche Reich hatte keine Verb\u00fcndete mehr.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref26\">[26]<\/a> <em>Fehrenbach zur Vorgeschichte der Revolution<\/em> (5.2.19): Vom 4.11. ab habe die MSPD t\u00e4glich im interfraktionellen Ausschuss \u00fcber die Abdankung des Kaisers gesprochen. Die Sozialdemokraten f\u00e4nden sich mit der Monarchie ab, nicht aber mit dem Kaiser und seinem Nachfolger.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref27\">[27]<\/a> Wilhelm Solf war in den Regierungen Max von Baden und Ebert Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Ausw\u00e4rtiges, also Au\u00dfenminister.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref28\">[28]<\/a> Prof. Wildemann, <em>Landtagsabgeordneter<\/em> des Zentrums, wird in seinen Wahlreden sagen, dass er von Erzbergerselbst wisse, dass Foch die Verhandlungen mit Erzbergers Delegation abgebrochen habe, weil&nbsp; Ebert ein Telegramm geschickt habe mit der Anweisung: Annahme der Waffenstillstandsbedingungen (2.1.19).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref29\">[29]<\/a> Kaum zu glauben \u2013 aber auch unsere gro\u00dfen Historiker behaupten das, z. B.&nbsp; Leonhard, J\u00f6rn: Die B\u00fcchse der Pandora, Beck 2014; S. 879.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref30\">[30]<\/a> Der Alldeutsche Verband war seit 1891 das Sammelbecken f\u00fcr Rechtskonservative, der seine Bedeutung durch personelle Vernetzung mit anderen Vereinen\/Verb\u00e4nden noch steigerte. Er stand der 1917 gegr\u00fcndeten Deutschnationalen Volkspartei nahe. Sein Programm war, in der Kurzfassung von Wikipedia, <em>expansionistisch,&nbsp;pangermanisch,&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Militarismus\"><em>militaristisch<\/em><\/a><em>,&nbsp;nationalistisch&nbsp;sowie von&nbsp;rassistischen&nbsp;und&nbsp;antisemitischen Denkweisen&nbsp;bestimmt<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref31\">[31]<\/a> Die <em>Eingeweihten<\/em> meinten hier konkret die Lage vor der <em>gro\u00dfen Schlacht im Westen<\/em> im M\u00e4rz 1918.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref32\">[32]<\/a> Die Erkl\u00e4rungen Max von Badens vor der Zentrums-Reichstagsfraktion fasste ein Mitglied als <em>Vorgeschichte des Waffenstillstandsangebots<\/em> f\u00fcr die BVZ zusammen (22.11.18).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref33\">[33]<\/a> Ludendorff hatte, abgestimmt mit Hindenburg, am 24.10. den Armeebefehl herausgegeben, Wilsons Waffenstillstandsbedingungen seinen f\u00fcr Soldaten unannehmbar. Seine Entlassung am 26.10. feierte der Vorw\u00e4rts als <em>Entpolitisierung des Milit\u00e4rs<\/em>. (29.10.18).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref34\">[34]<\/a> Niess, Wolfgang: Die Revolution von 1918\/19, 2017; S. 107.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref35\">[35]<\/a> Es ist heute nicht mehr vorstellbar, wie damals Zentrums-Wahlveranstaltungen abgelaufen sind: Bevor Parteisekret\u00e4r Bitter, Bezirk Recklinghausen, zu dem Bottrop geh\u00f6rte, reden durfte, er\u00f6ffnete Pfarrer Neuhaus die Versammlung in Boy, dann hielt der <em>hochw\u00fcrdige<\/em> Rektor Hugenroth der St. Michael-Pfarre einen Vortrag \u00fcber <em>die Bedeutung der Revolution f\u00fcr Kirche und Staat<\/em>. Nach Bitter sprach dann noch Kaplan Tentrop \u00fcber den Zentrumsverein, in dessen erweitertem Vorstand alle Priester Bottrops vertreten waren.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref36\">[36]<\/a> Karl Matthias Schiffer war f\u00fchrender Funktion\u00e4r der christlichen Gewerkschaften und Reichstagsabgeordneter des Zentrums im Wahlkreis Borken-Recklinghausen, zu dem auch Bottrop geh\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref37\">[37]<\/a> Z. B. der Abgeordnete August Brust, Buer, der Bottrop f\u00fcr das Zentrum im Preu\u00dfischen Abgeordnetenhaus\/ Preu\u00dfischen Landtag vertrat.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref38\">[38]<\/a> <em>Die unterzeichneten Erzbisch\u00f6fe und Bisch\u00f6fe entbieten den heimkehrenden katholischen Kriegern herzlichen Willkommensgru\u00df<\/em> am 1. Adventssonntag \u2013 ohne die Bayern.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\">&nbsp;[39] Friedrich Ebert sah das \u00e4hnlich. Er aber wusste, dass die Soldaten, zu denen er am 10.12. sprach, von der OHL nach Berlin verlegt worden waren, um mit Spartakus dem ganzen bolschewistischen Spuk ein Ende zu machen (Niess, Wolfgang: Die Revolution von 1918\/19, 2017; S. 214-229.).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref40\">[40]<\/a> Die Revolution hatte erstmals die M\u00f6glichkeit geschaffen, f\u00fcr sozialistische Veranstaltungen in Bottrop einen geeigneten Versammlungsort mieten zu k\u00f6nnen (17.12.18).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref41\">[41]<\/a> Die <em>schwarze Internationale<\/em> war im Nazi-Jargon die katholische Kirche und ihr politischer Arm, das Zentrum.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\"><a href=\"#_ednref42\">[42]<\/a> BA vom 11.3.1933: <em>Goering in Essen<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rudolf Isfort [10.2020] PDF-Download Mit Dolchsto\u00dflegende\/-l\u00fcge bezeichnen Historiker die Behauptung, der Erste Weltkrieg sei f\u00fcr das Deutsche Reich nicht durch den milit\u00e4rischen Untergang, sondern durch politische Machenschaften der Heimat verloren worden: Die Heimat ist dem Heer in den R\u00fccken gefallen. 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